SCHALTBAU: “JEDER BRAUCHT UNSERE SCHÜTZE!”

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In glänzender Festtagslaune präsentierte sich der Vorstand der Schaltbau-Gruppe im Münchener Ketterer-Kunsthaus auf einer Feier zum 90-jährigen Bestehen: Das Wachstum in der Gruppe geht nach abgeschlossener Restrukturierung Richtung 10 bis 15 Prozent.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Der Grundstein für die beeindruckende Firmengeschichte wurde 1929 gelegt, als das Unternehmen als Hersteller von Stromschaltern für Zugheizungen in München gegründet wurde, berichtete im Gespräch mit dem bahn managerVorstandssprecher Dr. Albrecht Köhler: “Damals entwickelten wir große Expertise im Bereich des Gleichstroms. Damit sind wir heute durch den Boom der Elektromobilität wieder voll im Trend – es gibt ständig mehr Anwendungsbereiche.” Positiv zu bewerten sei auch die Klimadebatte, “ausgelöst durch Greta”, welche klar den Trend zur Schiene beflügelt. Neben dem traditionellen Kerngeschäft im Bereich Schienenfahrzeuge setzt die Schaltbau-Gruppe mit ihren Kernmarken Schaltbau, Bode, Pintsch und SBRS auf neue nachhaltige Stärke in den Bereichen Technologien für Bahninfrastruktur, Straßenfahrzeuge, dezentrale Energiekonzepte, Energiespeichersysteme, Ladesysteme für Elektro-Pkw und E-Busse sowie weitere industrielle Anwendungen.

Positiv bewerteten Dr. Köhler und Vorstandsmitglied Volker Kregelin die Handelsbeziehungen mit China. Durch eine Joint Venture in China seien Infrastrukturprodukte von Pintsch und Schütze von Schaltbau dort weithin vertreten. Es sei verständlich, dass Chinas Bahnindustrie stärker nach Europa exportieren wolle. Dabei komme das nötige KnowHow nicht über Nacht. Kregelin: “Wir haben hier schon gewisse Standards und Anforderungen. Es wird ja nicht nur einmal geliefert, sondern es geht auch um Wartung, Service,Ersatzteilbeschaffung, das Verständnis vom Betrieb, denAbläufen.

Die Komplexität heutiger Produkte bewirke auch bei europäischen Fahrzeugherstellern ein Umdenken. “Nehmen wir ein Türschließsystem, so Dr. Köhler, “wir sagen ja Einstiegssystem, denn eine Tür besteht nicht nur aus dieser Tür, die Sie sehen, die auf und zu geht, sondern immer mehr auch aus Stufen, die die Überwindung von Abständen als Zweck haben, oder auch die Unterstützung mobilitätsbeschränkter Personen. Das ist natürlich nicht einfach zu montieren. Es ist ein kleines Uhrwerk, und natürlich sind wir als der Hersteller dieses Einstiegssystems mehr vertraut mit dem Produkt. Und deswegen gehen wir auch immer mehr dazu über, den Hersteller davon zu überzeugen, dass wir auch die Montage dieses Systems durchführen sollten. Denn dann können wir auch garantieren, dass das System nachher funktioniert.

Ein aktuelles Beispiel für die Zukunftsorientierung der Schaltbau-Gruppe lieferte die am 11. September 2019 abgeschlossene Kooperation der Tochter Bode mit dem Automobilzulieferer Brose über die Entwicklung intelligenter Zutrittssysteme für selbstfahrende und elektrifizierte Kleinbusse, sogenannte People Mover.  Entwickelt werden soll eine Schwenk-Schiebetür mit digitalen Zusatzfunktionen.

Auf speziellen Zukunftsforen diskutierten Vorstände der Schaltbau-Gruppe mit Umwelt- und Verkehrsexperten sowie dem Zukunftsforscher Matthias Horx. Horx, selber Fahrer eines Tesla-Elektro-Pkw, sah große Chancen für Mobilität mit alternativen, erneuerbaren Antriebsenergien. Elektro- oder Wasserstofftechnologie? Dr. Köhler unterstützt beide Technologien: “Auch wenn ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug mit der Brennstoffzelle verwendet wird, braucht man trotzdem unsere Schütze, weil die Transformation wieder in Richtung Traktion geschaltet werden muss. Sie sehen, egal, ob beim Gabelstapler oder bei Windparks, Sie benötigen unsere Leistungselektronik.

Dr. Köhler verwies auf schmerzhafte Erfahrungen in den USA, wo Sicherheitsbestimmungen erst kürzlich verbessert wurden: “Dort sind mit Solarzellen ausgerüstete Häuser reihenweise abgefackelt, weil sie nicht richtig abgesichert waren. Das Gleiche kann Ihnen im Fahrzeug passieren. Also, da sind wir gerade richtig an der Front, um diese Dinge in die richtige Richtung zu bringen. Der Weltmarkt liegt derzeit bei solchen Schützen bei 250 Millionen Stück, doch er entwickelt sich in wenigen Jahren in die Größenordnung von 1,5 bis 1,8 Milliarden über alle diese Anwendungen.” Prächtige Perspektiven also für den Leader! Derzeit setzt die Schaltbau-Gruppe mit etwa 2.700 Mitarbeitern in Deutschland 36 Prozent der Produktion ab, im übrigen Europa 37 Prozent und auf anderen Weltmärkten 27 Prozent.

Die Video-Reportage zum Schaltbau-Feierakt gibt es unter diesem LINK: https://youtu.be/VoqObCikC2s

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