Solaris wird Spanisch – zu 65 Prozent

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Die spanische Gruppe CAF hat Anfang September die Aktien des innovativen Busherstellers Solaris Bus & Coach S.A. formell übernommen. Dennoch bleibt Solaris auch polnisch – in den nächsten Wochen wird der staatliche Polnische Entwicklungsfonds (PFR) der CAF ein Minderheitspaket von 35 Prozent abkaufen.

Von Hermann Schmidtendorf, bahn manager

Die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte des Bus- und Straßenbahnherstellers aus dem Raum Poznań begann 1994. Damals eröffnete der vorherige Leiter des Berliner Neoplan-Werks Krzysztof Olszewski die polnische Generalvertretung Neoplan Polska. 1996 gründete der gebürtige Breslauer mit seiner Frau Solange eine eigene Fabrik, die zunächst Linien- und Reisebusse in Neoplanlizenz und ab 1999 Eigenentwicklungen baute.

Von Anfang an wurde ein ausgefeiltes Design von Karosserie und Innenausstattung der Fahrzeuge das Markenzeichen des ab 2001 als Solaris Bus & Coachfirmierenden Unternehmens. Dazu sicherte es sich die Mitarbeit des Berliner Design-Ateliers IFS. IFS Design entstand 1997 als Ausgliederung der Designabteilung des Instituts für Schienenfahrzeuge der Deutschen Waggonbau AG (DWA), welche 1998 zu Bombardier Deutschland wurde. IFS gestalte bereits den ersten 1999 eigenständig entwickelten Niederflur-Stadtbus „Solaris Urbino“. Damals wurden auch die asymmetrisch geschwungeneFrontlinie und ein grüner Dackel Erkennungsmerkmal der Solaris-Fahrzeuge.

Das Renommee des Solaris-Hausdesigners wuchs 2010 durch die Verleihung der Auszeichnung Universal Design Award für die durch IFS gestaltete Bombardier-Straßenbahn Flexity Berlin. Deshalb legten die Leipziger  Verkehrsbetriebe (LVB) bei der Ausschreibung der Anschaffung neuer XL-Straßenbahnen von vorn herein fest, dass das Design durch IFS auszuführen sei ( Exterior- und Interiordesign sowie Fahrerarbeitsplatz). Diesem Wunsch entsprach Solaris Bus &Coach gerne, gewann die Ausschreibung und konnte 2017 den ersten Zug ausliefern.

Heutebeschäftigt Solaris Bus & Coach S.A. in seinen Produktionsstätten Bolechowo bei Poznań/ Posen und Środa Wielkopolska 2.300 Mitarbeiter. Solaris-Fahrzeuge sind in 32 Ländern in über 700 Städten vertreten. Solaris ist europäischer Marktführer für Elektrobusse und Oberleitungsbusse.Die Firma CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles) ist ein spanischer börsennotierter Hersteller mit über 100-jähriger Geschichte. Hauptgeschäft des Unternehmens sind Planung, Produktion, Wartung und Lieferung von Schienenfahrzeugen. Darüber hinaus befasst sich das Unternehmen mit neuen Lösungen für den Stadtverkehr. CAF-Fahrzeuge fahren in Europa, den USA, Südamerika, Asien – vor allem Indien und Japan – und in nordafrikanischen Ländern.

Andrés Arizkorreta, Präsident und Chief Executive Officer der CAF Group:  „Die Investition von CAF in Solaris bestätigt unser Engagement, um unser Wachstumsziel auf rentable Weise zu erreichen und uns neue, strategisch wichtige Märkte zu eröffnen. Zusammen mit Solaris sind wir führend in urbanen Mobilitätslösungen, die über den Schienenverkehr hinausgehen, insbesondere im Bereich der Elektromobilität. Wir möchten die wertvolle Marke Solaris weiterführen und entwickeln und ihren polnischen Charakter erhalten. Das Zusammenspiel aus Know-how in der Herstellung, Design, Technologie und Service beider Unternehmen sowie die Geschichte von Solaris in der Innovation der Produkte trägt zu einer besseren Bedienung unserer Kunden bei und stellt gleichzeitig einen Mehrwert für unsere Aktionäre dar“.

Solange Olszewska, Vorstandsvorsitzende von Solaris Bus & Coach S.A.:„Die Entscheidung ist mir und meiner Familie ganz und gar nicht leicht gefallen. Als ich mit meinem Mann vor 20 Jahren das Unternehmen gründete, investierten wir all unsere Privatersparnisse in die Firma. Nach nunmehr 22 Jahren des Bestehens unserer Firma sind zur Zeit fast 17.000 Fahrzeuge mit dem Symbol des grünen Dackels im Einsatz. Ich weiß, dass ich die Firma in gute Hände abgebe. Die Unternehmensgruppe CAF wird das Beste an der Marke Solaris fortführen und ihre Entwicklung gewährleisten. Allen Mitarbeitern und Personen, die mein Mann und ich im Zuge unserer „Reise mit Solaris“ getroffen haben, möchte ich ganz herzlich danken. Meine Familie und ich sind nicht mehr länger Eigentümer von Solaris, doch wir werden für immer seine Gründer bleiben. Es war ein unglaubliches Kapitel meines Lebens. Ich verlasse das Unternehmen Solaris, doch verzichte ich nicht auf meine Leidenschaften. Demnächst schon werde ich Sie zu meinem Ökobetrieb nahe Posen einladen können.”

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