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Locomore: Leo Express und Flixbus retten insolventes Privat-EVU

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Die Züge des DB-Konkurrenten können ab dem 24. August wieder zwischen Berlin und Stuttgart rollen. Das insolvente Fernverkehrs-Start-up wird von dem tschechischen Verkehrsunternehmen Leo Express und dem deutschen Fernbusbetreiber Flixbus unterstützt.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion Berlin/Europa

Locomore-Gründer Derek Ladewig hat Grund, im Gespräch mit dem bahn manager Magazin entspannt zu sein: „Ich freue mich, dass mit dieser Lösung die Locomore-Züge schon bald wieder fahren werden.“ Zwischen dem 14. Dezember 2016 und dem 12. Mai 2017 hatten die unter dem Motto „More Rail“ firmierenden acht orangefarbenen Reisezugwagen etwa 70.000 Fahrgäste befördert. Die Insolvenz entstand, weil das durch Crowdfunding eingesammelte Kapital zur Neige ging und nicht rechtzeitig die Gewinnzone erreicht wurde. Allianz pro Schiene-Vorstand Karl-Peter Naumann zeigte sich erfreut darüber über die „zweite Chance“ für diese Züge: „Auch auf der Schiene gilt der Grundsatz, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Die Fahrgäste werden von neuen Anbietern und frischen Ideen im Fernverkehr profitieren.“

Gründung der Blitz B17-550 GmbH in Berlin

Für die Kooperation mit Locomore bildete der tschechische private Betreiber von Zug- und Busverkehren Leo Express aus der Vorratsgesellschaft Blitz B17-550 GmbH in Berlin die Leo Express GmbH. Sie wird bald an die bisherige Firmenadresse von Locomore umziehen. Im Wege des Asset Deal übernahm Leo Express einzelne Bestandteile von Locomore, ohne eine Übernahme durchzuführen. Die bisherige Locomore GmbH besteht somit getrennt fort. Für den Zugverkehr verfügt Leo Express über die Marke Locomore, die auch zunächst weiter an den Zügen firmieren wird. Locomore-Gründer Derek Ladewig wird keine Geschäftsführerfunktion mehr ausüben, sich aber weiterhin mit der Geschäftsentwicklung befassen. Das neue Geschäftsmodell der Locomore-Züge, so Ladewig zum Bahnmanager-Magazin, lautet kurz gefasst: „Leo Express ist der Betreiber, Flixbus macht den Vertrieb.“

Die bisherigen Themen-Abteile – Treffmöglichkeiten für Freunde spezieller Themen wie Englisch, Literatur, Sport – werden wohl nicht fortgeführt. Die Reisezugwagen werden derzeit im zum italienischen Staatsbahn-Konzern FS gehörenden Werk Netinera Neustrelitz aufgefrischt.

Flixbus freut sich einfach „meeega“

In jugendlicher Sprachel stellte heute der Busbetreiber Flixbus auf seine Webseite: „Wir freuen uns meeega über den Zuwachs auf der Schiene und legen noch einen drauf!“ 9.999 Aktionstickets für 9,90 Euro sollen die Lust der Busreisenden am Bahnerlebnis befeuern. Eine DB-Fahrkarte für den ICE mit mehrfachem Umsteigen kostet derzeit im Sparpreis zumeist 115,90 Euro. Bei Flixbus wird es die Fahrkarte Göttingen-Kassel bereits ab drei Euro geben.

Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein gegenüber dem bahn manager Magazin: „Die Entwicklung des Locomore-Zugverkehrs Berlin-Stuttgart war beeindruckend. Es gibt hier einen deutlichen Bedarf an günstigen Reise-Alternativen. Deshalb wollen wir dem Locomore-Produkt über unsere internationale Plattform und Integration in unser Fernbusnetz die entsprechende Zahl und Kunden verschaffen. Eine tolle Ergänzung zu unserem bestehenden Angebot – so schnell wie mit einem Zug können wir mit einem Fernbus nicht sein.“ Auch Leo-Express-CEO Peter Köhler sieht sinnvolle Synergien:

„Gemeinsam mit Flixbus wollen wir zwei nachhaltige, ökologische Verkehrsmittel multimodal verbinden.“

Zur Bündelung der Bahnaktivitäten – bislang sind in Österreich Busverkehre mit der privaten Westbahn und in Deutschland mit dem Kölner Nahverkehr KVB verknüpft – gründete Flixbus die Flixtrain GmbH. Geschäftszweck ist laut Handelsregister unter anderem „Planung, Konzessionsbeantragung, Vermarktung, Vertrieb und Betrieb beziehungsweise Organisation des Betriebs von Eisenbahnverkehrsdiensten im Güter-oder/und Personenverkehr“. Geschäftsführer ist auch bei Flixtrain André Schwämmlein, der gegenüber Bahnmanager Magazin erklärt: „Jetzt wollen wir gemeinsam mit LEO Express das Projekt Locomore zum dauerhaften Erfolg führen. Wenn es gut läuft und wir eine Perspektive sehen, kann es sein, dass wir den Schienenverkehr ausbauen.“ Dann ist auch ein Namenswechsel für die Locomore-Züge nicht ausgeschlossen.

Am 24. August um 14:19 geht es los

Die Zugleistung der Locomore-Züge wird nach Informationen des bahn manager Magazins wie bisher von Hector Rail erbracht. Diese setzte bislang Elektrolokomotiven vom Typ Siemens ES64U2 (Taurus) ein. Seit dem 8. August sucht Leo Express per Online-Anzeige im Portal Bahnberufe.de „Zugführer m/w im Fernverkehr“ für Berlin und Heidelberg, weil in diesen Städten die Dienstschichten beginnen oder enden. Gefahren wird über Hannover und Frankfurt.

Der erste Zug soll am 24. August um 14:19 ab Berlin-Lichtenberg starten und mit minimaler Veränderung gegenüber den bisherigen Locomore-Fahrplänen um 21:20 Stuttgart Hbf erreichen. Der Zug soll fünfmal in der Woche in beiden Richtungen verkehren. (hfs)

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