VORSTANDSWECHSEL BEI DER EVG: AUF KIRCHNER FOLGT WESTPHAL

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Ein neuer Lokführer steuert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG: Torsten Westphal wird Nachfolger von Alexander Kirchner, der bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Regina Rusch-Ziemba folgt Martin Burkert.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Die Personalien wurden am 12.November 2019 auf einem außerordentlichen Gewerkschaftstag der EVG in Fulda mit etwa 90-prozentiger Zustimmung beschlossen. Der Wechsel war notwendig geworden, nachdem beide bisherigen Amtsinhaber aus Altersgründen ihre Ämter abgaben. Kirchner hatte sein Amt elf Jahre lang ausgeübt. Er hatte die Bildung der EVG aus TRANSNET und GDBA vor zehn Jahren führend mitgestaltet. Weiterer stellvertretender Vorsitzender bleibt wie bisher Klaus-Dieter Hommel. Westphal stammt aus Rostock und ist seit 1982 bei der Bahn. Er war bis jetzt Bundesgeschäftsführer der EVG. Der Nürnberger Burkert begann 1981 eine Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn und engagierte sich seit 1980 gewerkschaftlich. Seit 2008 ist er Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der EVG.

Eine Sonderlage ergibt sich für Burkert, weil er Vorsitzender der Landesgruppe Bayern in der SPD-Bundestagsfraktion und bahnpolitischer Experte seiner Fraktion ist. Burkert hatte bislang gut mit dem bahn manager kooperiert, so gab er unter anderem ein Interview – der Link zum Video: https://youtu.be/E_uJXaH1jnE

„Ich freue mich sehr über das Vertrauen der Delegierten und die neue Aufgabe in der EVG“, erklärte Martin Burkert jetzt. „ Aufgrund dieser Wahl und den Verantwortungen, die auf mich zukommen, habe ich den Beschluss gefasst, zum Jahreswechsel mein Mandat als Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Nürnberg-Süd und Schwabach niederzulegen.

Mit 55 Jahren und nach dreieinhalb Wahlperioden wage ich den Schritt, noch einmal eine neue Aufgabe außerhalb des Bundestags zu übernehmen.“ Burkert ist seit 2005 Bundestagsabgeordneter der SPD, der er 1985 beitrat. Seit 2009 ist Burkert stellvertretender Vorsitzender des Zentralen Betriebsgruppenausschusses Eisenbahn der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen AfA. Burkert wird sich in Zukunft in der neuen Funktion direkt um die Belange der Beschäftigten der Deutschen Bahn kümmern können, die EVG stellt dort etwa die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder. Den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums wird voraussichtlich der neue EVG-Chef Westphal von seinem Vorgänger Kirchner übernehmen.

In seiner Antrittsrede wandte sich Torsten Westphal gegen Lohndumping im Verkehrssektor, der Folge der Ausschreibungen von Verkehrsverträgen durch die Länder sei. Wer für Regionalzüge die geringsten Subventionen verlange, erhalte oft den Zuschlag, das gehe zu Lasten der Belegschaft und der Qualität der Betriebe. Der scheidende Vorsitzende Kirchner erklärte: „Die Rahmenbedingungen für die Schiene in Deutschland sind so gut wie noch nie. Aber es fehlt an allem: an einer geeigneten Infrastruktur, an Fahrzeugen, an Personal. Damit ist die Aufgabe der EVG klar definiert: Wer, wenn nicht wir, soll dafür sorgen, dass die Eisenbahnen in Deutschland und die Beschäftigungsbedingungen für Eisenbahnerinnen und Eisenbahner besser werden?“

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