VOSSLOH-FACHTAG: GLEISUNTERHALT FÜR ALLE GELEGENHEITEN

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Wie in allen “Innotrans-freien” Jahren lud die Vossloh Rail Services GmbH am 24. September 2019 zu einem Fachtag an ihren Hamburger Standorten ein.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

“Man hat dann einmal die Chance, die Maschinen zu präsentieren, die sonst meistens nur nachts und am Wochenende unterwegs sind, die man nicht so leicht zu greifen bekommt,”

erklärte gegenüber bahn manager der Geschäftsführer von Vossloh Rail Services GmbH Marcel Taubert. “Wir können Fragen beantworten, können auch erklären: Wo wollen wir hin als Vossloh, wo entwickeln wir uns hin.”

Zum Beispiel China. Das Riesenland ist seit Jahren Großinvestor im Bahnwesen. Und auch die dortige Vossloh-Joint Venture mischt kräftig mit. Allein zwischen 2013 und 2018 kam sie mit dem Spezialzug HSG-2 auf 30.000 Kilometer Schienenschleifeinsätze. Inzwischen wurde das HSG-Schleifen zu einem festen Standard-Kapitel im Regelwerk der Chinesischen Staatsbahnen, und Vossloh brachte eine weitere solche Maschine zum Einsatz.

Auch in Frankreich ist die Vossloh-Gruppe durch eine im April 2019 erfolgte Neugründung gut aufgestellt, berichtete gegenüber bahn manager der Geschäftsführer von Vossloh Services France SAS Nils Vögeding: “Dort haben wir die Mitarbeiter von Vossloh Cogifer, von Vossloh Switch Systems mit der Expertise für Weichensysteme. Integriert ist auch das Ausbildungszentrum von Vossloh Cogifer, das Informationszentrum für Kunden über die Produkte. Das fasst die Expertise von Vossloh Cogifer und Vossloh Rail Services zusammen im Bereich Unterhaltung von Weichen, Fräsen, Schleifen, der Inspektion – alles kommt jetzt aus einer Hand.”

Schon bei den Referaten auf dem Vossloh-Fachtag wurde auf die Praxis Wert gelegt. So berichtete der Leiter der Hamburger Hafenbahn Harald Kreft, dass es Sinn macht, mit einer Vossloh-Software namens MR.pro ständig einen Überblick zu haben über den aktuellen Zustand des gesamten Schienennetzes einer Bahninfrastruktur. Dadurch kann festgelegt werden, in welcher Reihenfolge und mit welcher Arbeitsstufe konkrete Gleisabschnitte maschinell bearbeitet werden. Sogar der Einsatz unterschiedlicher Maschinen hinsichtlich Zeit- und Kostenaufwand sowie Effizienz kann simuliert werden, um die sinnvollsten Schritte festzulegen.

“Wir haben unser Motto ‘Sense See Solve'”,

erklärte dazu Vossloh Rail Services -Geschäftsführer Taubert. “Sense steht für Sensorik. Das heißt, alles das, was uns heute schon zur Verfügung steht, um den Zustand des Gleises zu erfassen. See ist für uns all die Software, die wir heute benutzen, um den Zustand zu visualisieren und Maßnahmen abzuleiten. Solve heißt für uns, Lösungen zu präsentieren, mit denen wir Fehler abstellen können und das Ganze möglichst integrieren, möglichst aufeinander abstimmen, so dass die Prozesse beschleunigt werden. Und das hilft unseren Kunden, mehr ihre eigenen Kapazitäten zu entlasten. Also sense see solve in dem Sinne: Wir integrieren, wir sind schnell, und wir entlasten den Kunden von Planungsleistungen.”

Auf dem Gelände des Vossloh-Schweißwerks, direkt neben einer DB-Strecke, führte der Hersteller Gleisarbeiten mit einigen seiner Maschinen und Züge vor. Wer hätte gedacht, dass neueste Konstruktionen die Gleise sogar mit bis zu 100 Stundenkilometern schleifen oder fräsen können? Bei der Vorführung ging es natürlich gemächlich im Schritttempo voran, sonst hätten die Gäste nichts zu sehen gehabt. Je nach Einsatzzweck und Ort bietet Vossloh kleine Handgeräte, Maschinen für das Schleifen von Straßenbahnschienen im Stadtbereich oder eben die Großzüge, von denen jetzt sogar zwei hintereinander als “twin”, Zwillinge, gekoppelt werden können, um größtmöglichen Effekt in knapper Zeit zu erreichen.

Marcel Taubert: “Bei einer Infrastruktur, die sich nicht einfach mal eben verdoppeln lässt, muss die Infrastruktur, die da ist, effizienter genutzt werden. Das heißt weniger Zeit für Instandhaltung. Da haben wir gerade mit der High Speed Grinding-Technologie sicherlich ein wahnsinnig effizientes Medium, und das jetzt noch weiterzuentwickeln, noch mehr rauszuholen, da wollen wir mit dem Kunden zusammenarbeiten, und er wird es brauchen. Die Schleifzüge, die wir hier mit 80 km/h fahren, haben ja den großen Vorteil, keine Sperrpause zu brauchen. Und ja, wir können damit die Einsatzhäufigkeit je nach Kundenwunsch beliebig ändern. Wir brauchen nur eine Zugnummer. Da gibt es bei jedem Kunden andere Präferenzen. Der eine möchte lieber ein bisschen seltener, dafür mehr Materialabtrag, andere häufiger mit geringem Materialabtrag. Da sind die Philosophien sehr unterschiedlich. ”

Unter den Gästen des Vossloh-Fachtags befand sich auch ein langjähriger Spediteur des Unternehmens, Otto Haalboom aus Hamburg. Der Hanseat freute sich besonders, als er einen 26,5 Meter langen Weichenwagen ausgestellt sah. Denn diesen und weitere baugleiche Exemplare hatte Haalboom 2016 in einer winterlichen Sonderaktion von Finnland zur Vossloh-Werkstatt gebracht und auch deutsche normalspurige Drehgestelle als Ersatz für die hierzulande unbrauchbaren finnischen Breitspur-Drehgestelle angeliefert – LINK: https://youtu.be/aMzj1hW9_MY. Das Endergebnis der aufwändigen Ingenieurs- und Werkstattarbeit bei Vossloh ist ein europaweit einsetzbarer Spezialwagen, mit dem fertig montierte Weichen komfortabel per Schiene an eine Baustelle gebracht werden können.

“Wir kommen aus dem Service”,

erläuterte Geschäftsführer Taubert den Rückgriff auf Eigenkonstruktionen. “Wir erleben da draußen die Bedarfe des Kunden, und wir möchten mit unserem eigenen Maschinenbau, mit unserer eigenen Entwicklung, immer wieder darauf reagieren können. Wir möchten uns nicht davon abhängig machen, was uns der Markt gibt. Das hat sich sehr bewährt. Deshalb sind wir mit einem hohen Innovationstempo unterwegs. Das ist eine große Stärke unseres Hauses.”

Theorie und Praxis der Schienenunterhaltung – bei Vossloh wurde beides anschaulich und spannend präsentiert. Die Reportage zum Vossloh-Fachtag ist auf der bahn manager-Video-Plattform zu sehen, LINK

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