Vossloh Locomotives: Neue Fabrikationshallen sichern Standort in Kiel

in Bahnmarkt Europa von

Der Marktführer für Mittelführerhaus-Rangier- und Streckenlokomotiven Vossloh Locomotives hat am Standort Kiel-Suchsdorf für über 30 Millionen Euro ein komplett neues Fabrikationszentrum errichtet.

von Hermann Schmidtendorf, Redaktion Berlin

Bis 2020 ist das Auftragsbuch voll, so Geschäftsführer Thomas Schwichtenberg – eine gute Basis für den bis Ende 2018 geplanten Firmenverkauf.

„Wir können in diesem Werk jährlich 40 und mehr Lokomotiven bauen, wir arbeiten im Mehrschichtbetrieb“, erklärte Produktionsleiter Oliver Meier gegenüber bahn manager. „Die Anlagen sind so ausgerichtet, dass wir perspektivisch auch andere, größere Maschinen bauen können.“ Als „hochmoderner Branchenstandard etabliert“, so der Hersteller, hat sich derzeit das führende Produkt des Werks DE18. Diese 4-achsige 1800 kW-Diesellokomotive mit 120 km/h Höchstgeschwindigkeit ist für den Rangier-, Gleisbau- und Streckeneinsatz geeignet und auch für den grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Frankreich, Luxemburg und Deutschland zugelassen.

Beim Rundgang durch die in zwei Jahren auf 18.000 Quadratmetern komplett neu entstandenen Fabrikationsanlagen verwies Meier begeistert auf die optimale Anordnung der Hallenschiffe gemäß dem Produktionsablauf. „Am alten Standort in Kiel-Friedrichsort waren Fabrikation und Lagerhaltung auf 12 Gebäude verteilt mit entsprechend langen internen Transportwegen. Jetzt folgt in 5 Hallenschiffen transparent ein Fabrikationsschritt auf den anderen. Die Investitionen in die neuen Maschinen und Einrichtungen werden sich schon in den nächsten drei Jahren amortisiert haben.“

Auch die Belegschaft ist über die Neuerungen begeistert, erfuhr bahn manager im Gespräch mit einem langjährigen Mitarbeiter: „Erst dachte ich, ich werde mit Wehmut an die Jahrzehnte der Arbeit in den alten Mauern zurückdenken. Aber das ging schnell vorbei. Hier ist es hell, warm, trocken, in den alten Hallen tropfte es am Ende manchmal durch das Dach… Kein Vergleich!“

Erst kaiserliche Werft, dann Krupp-MAK: Der Lokomotivbau hat in Kiel seit den 1920er Jahren Tradition. Die Neuinvestition ist ein starkes Signal Richtung Zukunft. Erwartet werden Energieeinsparungen bis 70 Prozent. Fest installierte Arbeitsbühnen, emissionsfreie Gabelstapler, neue Lackier-, Laserschneid- und Roboterschweißanlage, platzsparende Lagerhaltung durch Tablarlifter sind weitere Elemente der Produktionsoptimierung. Die Mehrzahl der Neuaufträge wird inzwischen durch Service-Rahmenverträge ergänzt, so Geschäftsführer Schwichtenberg.

Dazu betreibt das Unternehmen Servicezentren in Moers sowie in Frankreich und Italien. Für Deutschland ist eine Konformität nach ECM-Regelwerk 1 bis 4 bestätigt, die ausländischen Serviceaktivitäten werden derzeit auditiert. Die Stammbelegschaft wuchs in Kiel um 15 Prozent, 2018 sind hier insgesamt 448 Mitarbeiter tätig. Ausbildungsplätze und Duale Studiengänge wurden verdoppelt, der Umsatz wird für 2016 mit etwa 110 Millionen Euro angegeben. Warum betreibt der Vossloh-Mutterkonzern bei solch rosigen Zukunftsaussichten dennoch den Verkauf der Lokomotivsparte? Geschäftsführer Schwichtenberg: „Das hat mit uns nichts zu tun. Nach aktuellem Stand passen Lokomotiven nicht mehr zum Kerngeschäft des Konzerns. Deshalb wurden das Vossloh-Werk in Spanien verkauft, Kiepe Electric, und jetzt eben Vossloh Locomotives.“ (hfs)

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