„Wir werden unsere Präsenz im politischen Berlin ausbauen“

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Der VPI stärkt seine Arbeit. Seit November übt Malte Lawrenz den Vorsitz in hauptamtlicher Funktion aus – ein Interview über die Gründe und Ziele.

bahn manager Magazin: Herr Lawrenz, Sie führen den VPI seit 2012 ehrenamtlich – seit November hauptamtlich. Warum?
Malte Lawrenz: Auch für den VPI gilt: Wir wachsen an und mit unseren Aufgaben. Eine große Herausforderung für uns und unsere Mitglieder war 2006 das Ende des Einstellungsregimes und die Übertragung der Instandhaltungsverantwortung auf die Halter. Wir haben darauf mit der Entwicklung des VPI Instandhaltungsleitfadens VPILF reagiert. Schon dass war und ist ein enormer Kraftakt für den Verband. Zudem hat sich der VPI von einem eher rein technisch orientierten Fachverband hin zu einer breit aufgestellten Interessenvertretung der Wagenhalter entwickelt. Ein Auslöser hierfür war die Debatte um die Lärmreduzierung des Schienengüterverkehrs. Hier haben wir aktiv an einer tragfähigen und wirksamen Lösung mitgewirkt. Unsere Expertise und der konstruktive Ansatz wurden geschätzt. Wir haben mittlerweile eine gute Zusammenarbeit etwa mit dem Bundesverkehrsministerium etabliert und werden ganz selbstverständlich in politische Prozesse wie die Entwicklung des Masterplans Schienengüterverkehr eingebunden. Das freut uns, führt aber zusammen mit dem sehr erfolgreichen VPILF zu einem Arbeitsvolumen, das mit der schlank aufgestellten Geschäftsstelle und ehrenamtlich tätigen Mitgliedern allein nicht mehr bewältigt werden konnte.

Tritt also in Zukunft das Ehrenamt beim VPI in den Hintergrund?
Nein, keinesfalls. Gerade weil wir die Kompetenz unserer Mitglieder schätzen und brauchen, müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die eine Mitarbeit im Ehrenamt ermöglichen. Die Arbeitsbelastung der Kollegen in den Mitgliedsunternehmen nimmt kontinuierlich zu. Eine gestärkte Geschäftsstelle sorgt dafür, dass der Mix aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kollegen weiter ein tragendes Element des VPI bleibt.

Mit Ihrem Amtsantritt war auch ein Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes verbunden. Gab es da einen Mangel?
Vor einigen Jahren war der Verband hier sicher nicht sehr aktiv. Damals waren aber auch die Anforderungen andere. Insofern ist es falsch, hier von einem Mangel in der Vergangenheit zu sprechen. Spätestens mit der politischen Debatte um den Lärmschutz war aber ein Umsteuern notwendig. Mit dem Ausbau unserer Öffentlichkeitsarbeit haben wir vor drei, vier Jahren begonnen. Wir spüren heute die positiven Effekte und werden diesen Weg weitergehen. Das gilt sowohl für die Kommunikation unserer Anliegen nach außen, speziell im politischen Raum, als auch nach innen zu unseren Mitgliedern – zum Beispiel über unseren neuen VPI-Newsletter.

Da Sie hauptamtlich für den VPI tätig sind: Wie lauten die Kernziele Ihrer Amtszeit?
Die Kernziele bleiben die gleichen – ob ehrenamtlicher oder hauptamtlicher Vorsitzender. Ganz oben auf der Agenda: die Halterinteressen in die öffentliche, politische Wahrnehmung bringen. Selbstredend umfasst das nicht nur originäre „Wagen“-Themen, sondern häufig auch sektorale Fragen. Unser Geschäft läuft dann gut, wenn es der Branche insgesamt gut geht. Wir werden dazu auch verstärkt die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden des Sektors suchen. Unsere Beteiligung an der Formulierung der politischen Kernforderungen der acht Schienenverbände an die Bundesregierung 2017 war ein erster Aufschlag. Ein weiteres Beispiel spiel: der im vergangenen Monat vorgestellte Wettbewerber-Report Eisenbahn 2017/18, den wir gemeinsam mit den Verbänden NEE und Mofair herausgegeben haben. Ein ebenso wichtiges Anliegen ist mir, die hohe technische Kompetenz des Verbandes wirksam zu nutzen und auszubauen. Wir werden unser Wissen und die Erfahrung verstärkt in den technischen Gremien, bei Gesetzgebungsverfahren oder der Neuformulierung von Regularien einbringen – sei es in Berlin oder mit der UIP in Brüssel. Bei Themen wie Zulassung von Fahrzeugen oder ECM haben wir schon einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun. Wichtig ist mir auch der Ausbau unseres Serviceangebotes, ganz vorne unser VPI-Instandhaltungsleitfaden, der langsam aber sicher zum europäischen Standard bei Wartungsaufgaben in ganz Europa avanciert. Aktuell denken wir darüber nach, eine Service GmbH zu gründen, die technische Dienstleistungen und Veranstaltungen des Verbands bündelt.

Der VPI will die Zusammenarbeit mit Politik und Verbänden intensivieren: Ist der SGV im Polit-Lobbying unterrepräsentiert?
Die Vielzahl der Verbände im Bahnbereich macht es uns allen nicht leicht, gegenüber der Politik geschlossen aufzutreten. Für den Verkehrsträger Schiene ist aber genau das wichtig. Ein erfolgreiches Beispiel für konzertiertes Vorgehen sind die erwähnten politischen Forderungen der acht Eisenbahnverbände. Gemeinsam vorgebracht haben die drei Kernforderungen „Schienenmaut halbieren, Innovationen fördern und Deutschland- Takt einführen“ Schlagkraft entwickelt. Mittlerweile findet sich vieles davon im Masterplan Schienengüterverkehr wieder, der hoffentlich zügig von der neuen Bundesregierung umgesetzt wird. Wir werden unsere Präsenz und Aktivität im politischen Berlin jedenfalls weiter ausbauen und intensivieren. Seit einigen Monaten haben wir uns dafür ein Standbein in den Räumen der Allianz pro Schiene in der Berliner Reinhardstrasse geschaffen.

Was erwarten Sie von der neuen, sich konstituierenden Bundesregierung?
Ganz klar: den umweltfreundlichsten Verkehrsträger stärken, die Schiene. Konkret heißt das: faire Wettbewerbsbedingungen schaffen, eine moderne Infrastruktur bauen und Innovationen fördern. Aber auch die Trennung von Netz und Betrieb in Deutschland ist überfällig. Von der neuen Regierung erwarte ich, dass sie zügig – also 2018 – den Masterplan Schienengüterverkehr umsetzt.

Bietet „Jamaika“ dafür eine verlässliche Basis? Oder anders gefragt: Wie sieht Ihre persönliche Wunsch-Koalition aus?
Wäre der Begriff nicht schon von den Kollegen besetzt, würde ich antworten: eine Koalition, die sich als Allianz pro Schiene begreift. Deutschland braucht eine Regierung, die im Verkehr Verantwortung übernimmt. In der Vergangenheit wurden zu oft die Weichen zugunsten der Straße gestellt. Nur mit einem deutlichen Ausbau des Schienenanteils am Modal Split wird es uns aber gelingen, die wachsenden Transportmengen zu bewältigen und gleichzeitig CO2-Ausstoß wie Feinstaubbelastung zu senken.

Das Interview führte Lasse Hinrichs.

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