ZU KLEIN FÜR KONKURRENZ

in Bahnmarkt Europa von

FINNLAND HAT FÜNFEINHALB MILLIONEN EINWOHNER – ZU WENIG FÜR AUSKÖMMLICHEN ZUGVERKEHR VIELER KONKURRIERENDER BAHNUNTERNEHMEN. DOMINIEREND BLEIBT DESHALB IM BAHNVERKEHR DIE 1995 AUS DER VORHERIGEN STAATSBAHN HERVORGEGANGENE STATTLICHE AKTIENGESELLSCHAFT VR-YHTYMÄ OY, DIE VR GROUP.

VR darf den Personenzugverkehr im Land bis 2024 exklusiv durchführen und betreibt auch die Züge der Region Helsinki, wo allerdings die neueren Fahrzeuge einer speziell gegründeten Gesellschaft gehören. Die Bahn-Infrastruktur wurde der „Zentralen Bahnverwaltung“ RHK übertragen, die seit 2010 Teil der Finnischen Transportagentur Liikennevirasto/Trafikverket ist. Diese bezifferte 2017 die Länge des genutzten Bahnnetzes mit 5.926 Kilometern. Im inländischen Gütertransport betrug der Bahnanteil 2015 laut eurostat 25,7 Prozent des Gesamtaufkommens. Der Güterverkehr wurde formell 2007 für den Wettbewerb geöffnet, doch erst 2015 erhielt als erster Wettbewerber das private finnische EVU Fenniarail Oy die notwendige Lizenz des Verkehrsministeriums.

Nach der Öffnung des grenzüberschreitenden Güterverkehrs zwischen Finnland und Russland Ende 2016 für EVUs mit Betriebserlaubnis in einem EU-Land bemüht sich Fenniarail auch um Transporte auf dieser Relation. Auf der 2006 eröffneten Neubaustrecke Kerava-Lahti betreiben VR und die russische Staatsbahn RŽD unter dem Namen ’Lev Tolstoj’ Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Helsinki und Moskau sowie unter dem Namen ’Allegro’ zwischen Helsinki und St. Petersburg. Es kommt eine modifizierte Form des Alstom-Zugs Pendolino zum Einsatz. Die im Inlandsverkehr eingesetzte Variante dieses Zugs darf auf einzelnen Strecken per Sondergenehmigung mit 180 bzw. 200 km/h fahren.

In Mitteleuropa beträgt die Breite der Wagenkästen 2,9 Meter. Der breitere Spurabstand in Finnland erlaubt eine Breite von 3,2 Metern und somit bei den neu angeschafften Stadler Flirt-Triebzügen im Zubringerdienst zum Helsinki-Flughafen auf der S-Bahn-Ringlinie problemlos eine komfortable 3+2-Bestuhlung. Für den Wintereinsatz bei bis zu –40°C ist die Isolation der Flirts verdoppelt stärker ausgeführt, die Fenster sind dreifach verglast. Die Klimaanlage wurde mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ergänzt – eine wesentliche Energieeinsparung. Außerdem erhielten die Eingangsbereiche Heizlüfter und Bodenheizungen. Die Flirts sind mit der finnischen Zugsicherung EBICAB ausgestattet mit der Möglichkeit zur späteren Nachrüstung des europäischen ETCS.

Komfortable Doppelstockwagen und Schlafwagen konstruierte die finnische Talgo-Tochter – ebenfalls mit spezieller Winterfestigkeit. Das finnische Talgo-Werk baute auch zweistöckige, vollständig geschlossene Transporterwagen für Autos und Motorräder. Jede Station ist mit einer Steckdose für den Anschluss der Standheizung des Autos ausgestattet. Die Heizung kann so programmiert werden, dass sie z. B. zwei Stunden vor Erreichen des Ziels aktiviert wird. Bahnfahrzeuge produziert auch Transtech, eine finnische Tochter des tschechischen Herstellers Škoda. Elektrolokomotiven der Baureihe Sr1 lieferte 1970–1985 das sowjetische Werk Novoerkask (Spitzname: „Sibirischer Wolf“, „Elektrorusse“, „Sibirischer Rüsselkäfer“). Seit 2017 sind auch breitspurige Siemens-Vectron-Elektroloks im Einsatz.

Wichtiger finnischer Bahnhersteller war das 1951 gegründete Unternehmen Valmet, ein Zusammenschluss der staatlichen Metallindustrie. Dieses konzentriert sich heute auf den Automotive-Bereich.

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