Zu spät, zu teuer: Die Kritik an Stuttgart 21 wird lauter

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Gestern traf sich der DB-Aufsichtsrat, um über die Verzögerungen und Mehrkosten des Problembahnhofs Stuttgart 21 zu sprechen. Das vielsagende Ergebnis: beredtes Schweigen. Deutlich vernehmbar ist dafür die Kritik von Vertretern aus Politik und Wissenschaft.

Von Lasse Hinrichs

Die Ausgangslage war allerdings auch ernüchternd: Stuttgart 21 wird mit 7,6 Milliarden Euro eine Milliarde Euro mehr kosten als geplant. Außerdem könnte der neue Bahnhof erst 2024 in Betrieb gehen – also drei Jahre später als ursprünglich angedacht. Das ist das aus DB-Sicht durchaus verheerende Ergebnis eines Gutachtens, das die DB selbst bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC und beim Ingenieurbüro Emch+Berger in Auftrag hatte geben lassen. Und nun?

Erstmal nichts. Nach dem Treffen des DB-Aufsichtsrates machten die Mitglieder vor allem durch beredtes Schweigen auf sich aufmerksam. Details der Sitzung drangen nicht nach draußen – keine Erklärung, keine Pressemitteilung machte die Runde. Umso klarer äußerten sich die Kritiker des Großprojekts.

VCD fordert jetzt Aufklärung
Philipp Kosok beim Verkehrsclubs Deutschland, meinte: „Die Deutsche Bahn AG und die Bundesregierung müssen erklären, woher sie die Sondermittel für die Mehrkosten nehmen. Auf keinen Fall darf die Kostenexplosion bei Stuttgart 21 dazu führen, dass die wirklich dringenden Investitionen in das Schienennetz aufgeschoben werden.“

„Im Vorstand der Bahn sitzt mit Ronald Pofalla ein ehemaliger Politiker, im Aufsichtsrat Staatssekretäre – das ist mit Blick auf notwendige wirtschaftliche Entscheidungen eine pikante Konstellation“, sagte Wirtschaftsprofessor Alexander Eisenkopf von der Zeppelin Universität Friedrichshafen dem SWR.

Ein Umstieg sei viel günstiger
Das Aktionsbündnis „Kopfbahnhof 21“ nutzte die Gelegenheit, um erneut die baulichen Alternativen zu dem Tiefbahnhof ins Spiel zu bringen. Lösungen für einen Umstieg kosten vier bis fünf Milliarden Euro weniger als der Weiterbau des Projekts „Stuttgart 21“, teilte das Bündnis mit und verweist auf ein neues Gutachten, das Verkehrsexperte Martin Vieregg gestern in Berlin vorstellte.

Seine Zahlen bestätigten die Prognose des Aktionsbündnisses, dass das Gesamtprojekt am Ende deutlich mehr als zehn Milliarden Euro kosten und sogar frühestens erst im Jahre 2026 fertig gebaut würde.

Kritik an DB-Informationspolitik
Eisenhart von Loeper, Bündnisprecher und Rechtsanwalt, kritisierte zudem die „destruktive Informationspolitik“ der DB: „Statt die Öffentlichkeit vollständig über das PwC-Gutachten zu informieren, lässt die Bahn die Öffentlichkeit mit minimalen Infohäppchen im Dunkel. Diese Verschleierungsmethode ist der Demokratie unwürdig.“ Vor einer Woche hatte von Loeper deshalb den Chef des Bundeskanzleramts, Bundesminister Peter Altmaier, brieflich aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Fakten endlich auf den Tisch kommen.

Einen Beschluss zum neuen Zeit- und Kostenplan zu Stuttgart 21 will der DB-Aufsichtsrat im Januar in einer Sondersitzung fassen. (red/K21/VCD/SWR)

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