IoT UND BIG DATA – ENTSCHEIDEND FÜR DIE ZUKUNFT DES BAHNWESENS

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“The Rise of IoT and Big Data in Rail” , “Der Aufstieg des Internets der Dinge und der großen Datenmengen im Bahnwesen” lautete der Titel der hochkarätig besetzten zweitägigen Konferenz, die der britische Veranstalter Rotaia Media zum zweiten Mal im Infinity-Hotel in München durchführte.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

“Das ist eine große Chance”, so Konferenz-Produzent Holliday gegenüber bahn manager, “um Anbieter zusammenzubringen, Verkehrsunternehmen und Manager der Infrastruktur, damit sie diskutieren können, wie sie das Internet der Dinge nutzen, um ihre Ziele zu erreichen, die Transportkapazitäten zu erhöhen, Zeiten zu verkürzen und ebenfalls, das ist auch wichtig, die Unterhaltungskosten der Fahrzeuge zu reduzieren.”

Englisch war, nicht verwunderlich bei IT-Themen, Konferenzsprache. So lernten die deutschsprachigen Teilnehmer, dass es im Englischen nicht etwa “Datenberge” gibt, sondern “Datenseen”. Bildlich gesprochen sammelt also die englischsprachige Welt unsortierte Daten in einem Data Lake und passt auf, dass sich dieser nicht in einen Datensumpf verwandelt. Auf Französisch geht es um den “Lac de données”. Und diesen bändigt beim französischen Güterverkehrsunternehmen Fret der Staatsbahn SNCF der Innovations-Spezialist Bertrand Minary.

“Wir sind seit einigen Jahren der Meinung, dass digital nicht einfach ein Werkzeug ist, um gute Ergebnisse zu erzielen, sondern der Schlüssel zur Revolution, um ein neues Modell zu finden”, betonte Minary gegenüber bahn manager. “Uns ist bewusst, dass wir uns im Schienengüterverkehr seit Jahrzehnten nicht verändert haben. Wir haben immer noch alte Prozesse. Aber es ist nun 8 Monate her, dass wir die Genehmigung haben, mit dem digitalen Zugsystem in realen Zügen zu fahren. Bedienen Sie die Boxen und Sensoren der Lösung Traxens, dann können Sie automatisiert die Bremsprobe allein von der Lokomotivkabine aus mit einem einfachen Gerät betätigen, wir haben ein einfaches Tablet, das dauert weniger als fünfzehn Minuten gegenüber früher eine dreiviertel Stunde, und es ist unvermeidlich weniger gefährlich.”

400 Güterwagen hat derzeit die SNCF Fret, die digital miteinander kommunizieren. Da wollten die Konferenzteilnehmer der DB Cargo nicht hintenan stehen. “Automatische Bremsprüfungen haben wir derzeit nur bei Experimentalwagen”, erklärte gegenüber bahn manager der DB Cargo-Leiter für Intelligente Wagen, Gerrit Koch to Krax. “Aber autarke Telematik- und Sensoriksysteme, also ständig Zustandsdaten sendende Güterwagen, fahren für die Deutsche Bahn bereits in großer Stückzahl – aktuell über 17.000!”

Jede neue technische Lösung ist nur so effektiv wie die Qualität der Daten, die sie verarbeiten soll. Daran erinnerte der Vertreter der Niederländischen Staatsbahnen NS. Mit den entsprechenden Sensoren ausgerüstete Züge der NS melden schon heute Daten über Unregelmäßigkeiten bei Achslagern und Drehgestellen, aber auch defekte ERTMS-Balisen. Interessante Lösungen und Fallbeispiele stellten auch SKF, Trenitalia, Nexiot, Voestalpine, Siemens, die ÖBB, Railnova, Frauscher, Infrabel, Plasser & Theurer oder Thales vor.

Auch Datensicherheit wurde thematisiert – durch die Unternehmen Waterfall/Osisoft und den Sicherheitsexperten der DB Netz. Dieser riet, unbedingt bei der Installation komplexer Datensysteme eingerichtete Remote-Zugriffsfenster nach Abschluss der Installation zu entfernen. Digitale Angreifer nutzten solche Lücken gerne für Attacken, so Christian Schlehuber: “Das ist so, als ob man eine Tür abschließt, aber im Schloss lässt man den Schlüssel stecken!”

Die durchweg anregenden und professionellen Vorträge wechselten im Viertelstundentakt. In München fand sich das Who Is Who der Bahn- und Daten-Branche zusammen und nutzte Pausen und Abendstunden zum angeregten Networking. Die nächsten von Ben Holliday produzierten Konferenzen sind Alpine Rail Optimisation in Wien am 31. Oktober 2019 und die nächste IoT/Big Data – Konferenz in München am 15. und 16. April 2020. bahn manager wird mit Vergnügen wiederum Medienpartner sein.

Mehr zu der Konferenz auf unser Bewegtbild-Plattform: Der Konferenz-Organisator Ben Holliday auf Englisch im VIDEO-Interview

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