18. SALZBURGER VERKEHRSTAGE: SORGEN WEGEN CORONA, ÖBB ERWEITERN NACHTZUGANGEBOT

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Die 18. Salzburger Verkehrstage in Salzburg standen unter der Prämisse “Mobilität gestalten – klimaneutral & sozial verträglich”. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion kündigten die ÖBB mit ihren künftig modernen Nachtzügen den Frühflügen den Kampf an.

Von Mag. Markus Inderst, Fachjournalist, Wien/Tirol

Die ÖBB bedienen jetzt schon – nach Rückzug der DB AG – 40 Prozent des Nachtzugmarktes in Deutschland und haben längst schon ihre Fühler auch nach Italien ausgestreckt. Zudem sei man ständig auf der Suche nach weiteren Destinationen, unter anderem war von ÖBB-Chef Andreas Matthä Paris zu hören. Die ÖBB wickeln diesen Nischenverkehr noch mit älterem, klassischem Wagenmaterial durch. “Die allgemeine Klimadiskussion hat dazu geführt, daß wir fast eine Verdoppelung unserer Passagierzahlen erleben konnten vor Corona”, so der ÖBB-Chef.

POLITISCHE RÜCKENDECKUNG UND STAATSHILFE

Weil die Deutsche Bahn AG sich vor Jahren vom Nachtzuggeschäft praktisch trennte, will die ÖBB hier auch mit Staatshilfe ihr Angebot kräftig ausweiten: “Wir investieren in den nächsten Jahren zusätzlich 500 Millionen Euro in neue Nachtzüge, wir arbeiten an neuen Verbindungen, gerade im Fernverkehr. Wir haben eine Herausforderung mit der Klimakrise und müssen klimafreundliche Alternativen finden”, sagte die Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) als Stargast während der 18. Salzburger Verkehrstage. Die neuen Nachtzüge der ÖBB sollen ab dem Winterfahrplan 2022/23 zum Einsatz kommen.

Corona-bedingt war die Salzburger Traditionsveranstaltung, veranstaltet von Forum Mobil unter ihrem Obmann Mag. Peter Haibach, besonderer Gesundheitsvorsorge unterworfen. So fand nur ein Teil der Teilnehmer im geräumigen Saal des Wirtschaftsförderungsinstituts Salzburg (WIFI) Platz. Den Regeln der Nachverfolgbarkeit wurde durch Platzierung auf zugewiesenen Sitzen Genüge getan. Die Veranstaltung wurde nach Art einer Video-Konferenz auf Bildschirme unter anderem im Foyer des WIFI übertragen.

UNSICHERHEIT DURCH CORONA

Die Auswirkungen der Pandemie werden im Verkehrsbereich noch lange spürbar sein, sorgten sich übereinstimmend mehrere der Vortragenden.  Während des Lockdowns seien die Reisendenzahlen zusammengebrochen. Aber auch jetzt nehmen deutlich weniger Personen die Öffentlichen als zuvor. Teilweise fielen durch Arbeit von Zuhause Fahrten weg, teilweise würde eher das eigene Kraftfahrzeug genützt. Noch habe sich das Personal weitgehend halten lassen, aber wie lange noch, falls sich der Trend nicht verbessere?

Ein düster-graues Gemälde zeichnete Ludwig Richard, Inhaber und Geschäftsführer von Dr. Richard. Das zweitgrößte Busunternehmen Österreichs und zugleich größte eigentümergeführte Busunternehmen im deutschsprachigen Raum betreibt im Auftrag von Flixbus unter anderem die Fernbuslinien Berlin–München–Zürich und München–Innsbruck. Es fährt im Auftrag der Wiener Linien auch auf zahlreichen Stadtlinien der Bundeshauptstadt. Derzeit seien 250 Busse abgemeldet, so Richard – sie hätten keine Arbeit. Auch ein so prominentes Unternehmen wie Flixbus sei unter solchen Vorzeichen insgesamt gefährdet, falls die zahlreichen mittelständischen Partner taumelten. Wolle die Politik günstige Busangebote, brauche es auch in diesem Bereich eine Förderung der Republik. Das gelte auch für den Güterverkehr, bei dem sich insbesondere Einzelwagenverkehr und Verschub derzeit verteuern. Zugunternehmen mit Bruttoverträgen kämen derzeit noch über die Runden. Problematisch seien aber Nettoverträge, sie generierten derzeit nicht die nötigen Einnahmen.

Wegweisende Worte gab die Präambel der Salzburger Verkehrstage. Dort heißt es unter anderem: „Der Klimawandel wird immer spürbarer und auch sichtbarer. Der durch fossile Brennstoffe befeuerte Verkehr führt zu Landflucht und auswuchernden Städten. Er beschleunigt den Siegeszug der Großkonzerne gegen die schwer unterlegene regionale

Wirtschaft, wo doch regionale Wirtschaftskreisläufe als Maß der Dinge für nachhaltige Entwicklung gelten.“

Die Corona-Pandemie decke zwar jetzt viele andere Herausforderungen zu – doch die Krise könne „ein neues Momentum der Veränderung auslösen. Aber nur dann, wenn sie – wie die „Friday for Future“-Bewegung es nennt – als „erste und letzte Möglichkeit in diesem Jahrzehnt erkannt wird, an großen Rädern zu drehen“. Manche zurück, die richtigen nach vorne – der öffentliche Verkehr darf auf keinen Fall als Verlierer aus dem Wettbewerb und den Verteilungskämpfen hervorgehen! Es ist die Zeit gekommen, ein neues Verkehrssystem anzusteuern.“

In diesem Sinne gelte es, Versäumnisse der Vergangenheit zu richten, die teilweise 20 bis 30 Jahre zurücklägen. Dazu gehöre eine Raumordnungspolitik, welche die Zentren zuungunsten der ländlichen Fläche bevorzugte. Im  Schülerverkehr müsse eine zeitliche Entzerrung stattfinden, damit die Überbesetzung von Schulbussen zu den Spitzenzeiten vermieden werde und die Corona-Schutzabstände einzuhalten seien. Es brauche auch mehr Busse zu diesem Zweck.

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