Tagesarchiv

Donnerstag, 03. August, 2017

„Armutszeugnis“: Sondergutachten attestiert zu wenig Wettbewerb

in Märkte & Player von

Der Wettbewerb auf den deutschen Bahnmärkten ist laut neuem Sondergutachten der Monopolkommission noch immer zureichend. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) sieht in dem Papier, das heute der in Berlin übergeben wurde, ein „Armutszeugnis“.

Das Sondergutachten „Bahn 2017: Wettbewerbspolitische Baustellen“ zeigt, dass das Eisenbahnregulierungsgesetz zum Nutzen der Bahnkunden nachgebessert werden sollte. Es sei nötig, eine transparente Kosten-Nutzen-Bilanz für die Bahn und die mit ihr konkurrierenden Verkehrsträger zu erstellen, damit öffentliche Mittel wirklich dort eingesetzt werden, wo sie den besten Ertrag bringen.

NEE: Drei große Baustellen für die Politik

Der Wettbewerb zwischen der Bahn und anderen Verkehrsträgern wird maßgeblich durch staatliche Finanzierungsmaßnahmen bestimmt. „Derzeit fehlen jedoch Erkenntnisse darüber, wie sich beispielsweise die Zuwendungen für den Straßen- und Schienenbau, die Kfz-Steuer oder eine Bus-Maut, auf diesen Wettbewerb auswirken“, so der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach.

Für Regierung sei das Sondergutachten ein „Armutszeugnis“ und – mit Blick auf die Bundestagswahl – ein „unüberhörbarer Weckruf“. Der NEE-Vorsitzende Ludolf Kerkeling sagte: „Drei Problemfelder müssen sich die Politiker jetzt vornehmen! Erstens: Das nach jahrelangem Zaudern im letzten Jahr beschlossene Eisenbahnregulierungsgesetz greift nicht und muss noch einmal angepackt werden. Zweitens: Die Sonderrolle des bundeseigenen DB-Konzerns hemmt die Entwicklung der Schiene als Ganzes auch weiterhin. Drittens: Den Regeln für Steuern und Nutzerabgaben fehlt der volkswirtschaftliche Kompass!“ (red/NEE/Monopolkommission)

Dieselgipfel: Neuer Mobilitätsfonds – auch für Schienenprojekte

in Politik & Recht von

Die radikale Verkehrswende beim Dieselgipfel in Berlin blieb aus. Immerhin wird die Automobilindustrie dazu verpflichtet, stärker als bisher in nachhaltige Mobilität zu investieren. Das kommt auch der Bahn zu Gute.

Von Lasse Hinrichs, Redaktion bahn manager Magazin

Bei aller Enttäuschung und Kritik am Dieselgipfel gestern (2. August) im Bundesinnenministerium in Berlin, ist dies eine der wenigen positiven Nachrichten: Die Bundesregierung und Automobilindustrie setzen einen mit insgesamt 500 Millionen Euro dotierten „Fonds: Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ auf, der Kommunen zu Gute kommen soll. Das Ziel: für jede der 28 von der EU-Kommission benannten, von besonders hohen Stickoxid-Belastungen betroffenen Regionen einen individuellen Masterplan („green-city-Plan“) entwickeln und umzusetzen. Einzelne Förderprogramme sollen dabei wichtige Impulse zur Reduzierung von Schadstoffemissionen setzen.

Digital-Tickets und Hybdrid-Antriebe

Von dieser Förderung  soll auch der Schienensektor profitieren: „Gemeinsam mit den Öffentlichen Verkehrsanbietern und den Ländern arbeitet die Bundesregierung unter anderem am Roll-Out für das deutschlandweit einheitliche Digital-Ticket“, heißt es in der Bund-Länder-Erklärung. Die Bundesregierung werde „in das eTicketing und die digitale Vernetzung im ÖPV gezielt weiter investieren“. Zudem werde „die bestehende Förderung von im Vergleich zu reinen Dieselantrieben deutlich emissionsärmeren Hybrid-Zügen beziehungsweise Zügen mit Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ ausweitet. (red/BMVI)

Big-Data-Projekt „Protrain“ in Berlin-Brandenburg gestartet

in Personenverkehr von

Der Zuzug in deutsche Großstädte führt zu einer steigenden Belastung des städtischen Verkehrs: Acht Unternehmen haben sich in dem Projekt „Protrain“ zusammengeschlossen und wollen mit Big Data den Nahverkehr in Berlin und Brandenburg optimieren.

Eines der acht Partnerunternehmen ist Telefónica Next. Die Tochter von Telefónica Deutschland steuert Erkenntnisse aus der Analyse anonymisierter Mobilfunkdaten zu dem Projekt Protrain bei. Auch DB Regio, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, BLIC, VBB, HaCon, IVU Traffic Technologies und predict.io machen mit.

 Die Verkehrsstöme besser verteilen

Ziel ist es, dass sich Fahrgäste im Bahnverkehr besser verteilen und damit vorhandene Kapazitäten optimal genutzt werden. Verkehrsbetriebe sollen auf Basis der Big-Data-Analysen die tatsächliche sowie die zu erwartende Nachfrage detaillierter bestimmen können und somit proaktiv reagieren. Reisende wiederum sollen in Echtzeit Informationen zu alternativen Verbindungen oder zu Wagen mit freien Plätzen erhalten.

Für die Analyse setzt Protrain auf das Potenzial bereits vorhandener und anonymisierter Daten – Mobilfunkdaten werden mit weiteren Datensätzen kombiniert. Das sind historische und aktuelle Fahrgastzähldaten, Informationen zum Bahnbetrieb, Wettereinflüsse, aktuelle Ereignisse und Veranstaltungen. Gefördert wird das auf drei Jahre angelegte Projekt vom BMVI. (red/Telefónica Next)

nach oben gehen