• Nový-vlak-Leo-Express-III.jpg
  • Nový-vlak-Leo-Express-II.jpg

CRRC-TRIEBZÜGE FÜR TSCHECHISCHEN LEO EXPRESS SIND FAST FERTIG

in Bahnmarkt Europa von

Die österreichische Westbahn bestätigte im April 2019, beim chinesischen Bahnkonzern CRRC Personentriebzüge anschaffen zu wollen, doch die ersten derartigen Fahrzeuge aus China werden in wenigen Monaten in Tschechien angeliefert.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

Unserer Redaktion zugesandte Fotos belegen, dass der Bau der ersten drei bestellten Einheiten bei CRRC weit fortgeschritten ist. In der zweiten Jahreshälfte sollen sie per Schiff nach Europa kommen und mittels Fahrten auf dem Eisenbahnversuchsring VÚŽ in Velim für den Einsatz zunächst in Tschechien, Polen und der Slowakei zugelassen werden. Später plant Leo Express eine Ausweitung seiner Aktivitäten auf andere europäische Länder, doch genaue Trassen seien noch nicht beantragt.

Wird der neue Zug womöglich vom 24.-27.9.2019 auf der polnischen Bahnmesse TRAKO in Gdańsk/Danzig präsentiert werden? “Wir möchten das weder bestätigen noch dementieren,” erklärte dazu gegenüber bahn manager Leo Express Polska-Pressesprecher Juraj Andrejka. “Das ist nicht ausgeschlossen.” In einer Presseerklärung für polnische Medien war von “Hybrid-Zügen” die Rede, daraufhin spekulierten polnische Online-Medien, die Züge würden einen zusätzlichen Dieselmotor erhalten. Gegenüber bahn manager stellte Leo Express-Sprecher Andrejka richtig: “Das wurde offenbar falsch verstanden. Es sind Mehrsystemfahrzeuge, sie sollen unter Fahrdraht mit unterschiedlicher Stromspannung fahren können. Außerdem soll es möglich sein, bei Bedarf eine Dieseleinheit anzukoppeln, welche auf Streckenabschnitten ohne Fahrdraht die Traktionsleistung übernimmt. Das würde dann aber keine sehr schnelle Fahrt.”

Der Wert der Investition beträgt etwa 5 Milliarden tschechische Kronen (etwa 190 Millionen Euro). Es besteht eine Option über den Kauf von 30 weiteren solchen Zügen. Leo Express-Generaldirektor Peter Köhler (siehe bahn manager-Interview mit ihm in Nr. 6/2017) ist begeistert: “Design und Konzept sind Eigentum von Leo Express. Die Einheit wurde auf der Grundlage unserer Erfahrungen aus mehr als einer Milliarde zurückgelegter Zugkilometer auf tschechischen und internationalen Strecken gebaut. Das Fahrzeug wurde entwickelt, um den Anforderungen unserer Kunden im Bereich des modernen Service und der Ergonomie gerecht zu werden.”

Wichtig für Leo Express ist die Teilnahme mehrerer tschechischer Planungsstudios an dem Projekt sowie die Lieferung von fast 20 Prozent der benötigten Komponenten durch tschechische Lieferanten. Dadurch bestehe die Hoffnung, dass diese Lieferanten in Zukunft weiter über den chinesischen Hersteller an dessen Exportprojekten teilhaben könnten. Zu den Besonderheiten der neuen Konstruktion gehört eine eigene Bordküche, welche die Erweiterung des Verpflegungsangebots ermöglichen wird. Dabei wurde auch eine Abstellfläche für recycelbare Behältnisse eingeplant. Bequemer Zugang zum Zuginneren besteht für Eltern mit Kinderwagen, Rollstuhlnutzer und Fahrgäste mit Fahrrädern. Ausreichend Platz für Gepäck, Ski und Fahrräder wird wie in den bisher genutzten Stadler-Zügen Standard sein. Wie bisher wird es auch Komfort-Abteile mit höherpreisigen Plätzen und eine Kinderzone geben.

Derzeit führt Leo Express außerdem Modifikationen an 15 LINT-Triebzügen durch, die das EVU von Alstom gemietet hat. Diese sollen in den Regionen Pardubice und Zlín ÖVP- Dienstleistungen erbringen. Alle Fahrzeuge sind barrierefrei, klimatisiert, mit WLAN und Steckdosen sowie USB ausgestattet.

Wie bei neuen Projekten üblich, gehen die Meinungen der Bahnfans über die chinesischen Leo-Züge weit auseinander. “Sieht aus wie ein Batmobil – Super!” jubelte der Internet-Nutzer Amadi auf der Webseite des polnischen Online-Portals “Rynek Kolejowy”. Autor El Wu entgegnete ihm: “Eher wie ein Entenschnabel – voll hässlich!”

zur Startseite