DB: Alexander Doll und Roland Bosch übernehmen Güterbahn-Sparte

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Auf der Aufsichtsratssitzung heute soll die Führungskrise im Vorstand beendet werden. Der Vorstand der Deutschen Bahn wird wieder vollzählig. Nach mehreren Monaten konnte im Aufsichtsrat den Streit um die Neubesetzung der drei vakanten Posten beilegen.

Die Position des Vorstands für Güterverkehr und Logistik werde der Barclays-Banker Alexander Doll übernehmen, sagten Mitglieder des Gremiums am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die angeschlagene Güterbahn DB Cargo solle Roland Bosch aus der Krise führen, der im Staatskonzern bisher Vorstand in der Sparte Netz ist. DB Cargo kommt seit Jahren nicht aus der Krise und verlor auch im Sommer-Quartal weiter Transportmengen, wie Konzernunterlagen zeigen. Allerdings boomt die weltweite Spedition Schenker und auch der Fernverkehr, so dass die Bahn den angepeilten Umsatzrekord von über 42,5 Milliarden Euro in diesem Jahr voraussichtlich erreichen wird. Auch die Gewinnziele sind den Reuters vorliegenden Papieren zufolge in greifbarer Nähe.

Ursprünglich hatten Aufsichtsrat und Bahnchef Richard Lutz den DB-Cargo-Chef Jürgen Wilder zum Gesamt-Logistik-Vorstand befördern wollen. Dies scheiterte zweimal am Widerstand von Arbeitnehmer- und SPD-Vertretern im Aufsichtsrat, die Wilders Leistung bei DB Cargo bemängelten. Wilder zog die Konsequenzen und verließ den Konzern ganz. Mit dem Deutschland-Chef der Barclays Bank, Doll, soll bei der Aufsichtsratsitzung am Freitag nun ein langjähriger Berater der Bahn die Position übernehmen. Doll war unter anderem am milliardenschweren Verkauf der britischen Nahverkehrstochter Arriva an die Bahn beteiligt.

Dem Gerangel um den Logistik-Posten fiel zunächst auch die Berufung der Aachener Professorin Sabina Jeschke zum Digitalvorstand sowie von Martin Seiler zum Arbeitsdirektor zum Opfer. Seiler ist Personalvorstand der Deutschlandsparte der Telekom. Beide Personalien galten eigentlich als unstrittig. Mit Jeschke hätte die Bahn auch wieder eine Frau im Vorstand, was seit längerem Ziel des Staatsunternehmens war.

Auf Doll und Bosch kommt jetzt die Aufgabe zu, die Güterbahn wieder in Schwung zu bringen. Der einstige Fast-Monopolist hat permanent Marktanteile verloren und hat jetzt nur noch einen Anteil von gut der Hälfte. (red/Reuters, wiwo)

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