Deutsche Bahn bestellt Rangierloks in China

in Märkte & Player von

Das tschechische Privat-EVU Leo Express bestellte als erstes Bahnunternehmen aus der Europäischen Union Triebfahrzeuge in China, jetzt ist auch die staatliche Deutsche Bahn im Boot: In Berlin wurde ein Rahmenvertrag für die Lieferung der ersten vier von 20 Hybrid-Rangierloks unterzeichnet.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

Lieferant der als “AZLok” firmierenden Lokomotiven ist der weltgrößte Eisenbahn-Hersteller CRRC, Besteller das Infrastruktur-Unternehmen DB Netz. Der Einzelpreis soll 2,5 Millionen Euro betragen, die Auslieferung 2021 stattfinden. Grundlage der Bestellung ist nach DB-Angaben eine europaweite Ausschreibung von 2017, auf welche sich keine anderen Bieter gemeldet hätten. Das Lastenheft ist anspruchsvoll: Die Lokomotiven sollen durch schmales Lichtraumprofil beispielsweise auch im City-Tunnel Frankfurt fahren können, einem zentralen Bestandteil der S-Bahn Rhein-Mainund einer der meistbefahrenen Strecken im Netz der Deutschen Bahn. Durch Ausrüstung mit PZB, dem Zugüberwachungssystem ZBS der Berliner S-Bahn sowie einer Vorinstallierung des ETCS-Systems sollen die Loks universell im Gleisbau und bei der Streckenunterhaltung einsetzbar sein.

Weitere Bedingungen sind die Einhaltung der europäischen TSI-Standards sowie der Anforderungen des deutschen EBA. Die Antriebsenergie soll aus der dritten Schiene, durch einen Dieselmotor sowie durch eine 750 kW-Lithium-Titan-Batterie kommen bei einer Höchstgeschwindigkeit der Lok von 100 km/h. In Tunneln sowie im Leerlauf kann der Dieselmotor ausgestellt werden, um schädliche Emissionen zu vermeiden. So kann nach Angaben des Herstellers im Vergleich zu entsprechenden Maschinen 30 Prozent Energie gespart werden. 80 Prozent der Bremsenergie kann zudem über die Batterie wiedergewonnen werden. Das Fahrzeug wird mit einem drahtlosen System zur  Datenübertragung ausgerüstet, um den jeweiligen Zustand und Fehlerinformationen in Echtzeit empfangen zu können.

2015 beschloss die DB die Eröffnung eines Handelsbüros in Peking. Seither wird bereits unter anderem ein Teil der bis 35.000 jährlich benötigten Radsätze aus China bezogen, welche bisher bei der Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH gekauft wurden. Die Anzahl transportierter Container zwischen China und Europa soll sich bis 2020 mindestens auf etwa 100.000 erhöhen. Vor allem aber wird die DB Engineering & Consulting (DB E&C) in China zum Profitcenter ausgebaut. Allein bis 2020 plant China Investitionen in das Schienensystem für etwa 360 Milliarden Euro.  Von diesem großen Kuchen möchte DB E&C einen ordentlichen Happen abbekommen und baute dazu bereits Büros und Projektstandorte in Changchun, Yunnan, Dalian, Shanghai und Guangzhou auf. Angeboten werden Planung, Koordinierung und Überwachung der Großprojekte bis hin zur Entwicklung kompletter Netz- und Betriebspläne. Auch die Instandhaltung der komplizierten Hochgeschwindigkeitstechnik wird durch die DB-Tochter angeboten.

zur Startseite
nach oben gehen