Bioceánico: Morales und Leuthard unterzeichnen Absichtserklärung

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Eine Bahnlinie vom brasilianischen Santos durch Bolivien bis zum peruanischen Hafen Ilo: Bioceánico heisst das Jahrhundertprojekt, das auf 3750 Schienenkilometern den Atlantik mit dem Pazifik verbinden soll. Das Auftragsvolumen für Planung, Infrastrukturbau, Lokomotiven und Waggons sowie Wartung und Service beträgt zehn bis 14 Milliarden Dollar.

Um stärker zu sein als die Konkurrenz aus China, spannen sich die Verbände der schweizerischen und deutschen Bahnindustrie zusammen: Auch die Regierungen der beiden Länder arbeiten Hand in Hand. Jetzt haben die Schweizer Bahnunternehmer einen ersten Meilenstein erreicht. Am 14. Dezember kommt Evo Morales zu einem Arbeitsbesuch in die Schweiz. Der bolivianische Staatschef und sein Infrastrukturminister Milton Claros werden zusammen mit Bundespräsidentin Doris Leuthard eine Absichtserklärung zu „Bioceánico“ unterschreiben, ein sogenanntes Memorandum of Understanding (MoU).

Die geplante Route der Transozeanischen Eisenbahn verläuft durch die Anden. Die Erfahrung der Schweizer Bahnindustrie in den Alpen ist deshalb ein Trumpf. „In den Bergen hat kein anderes Land so viel Fachwissen wie die Schweiz“, sagt der Winterthurer Bahnunternehmer Michele Molinari. Er nimmt bei Bioceánico eine Schlüsselrolle ein. Molinari lebte einige Jahre in Kolumbien, spricht perfekt Spanisch und beschäftigt sich seit drei Jahren mit dem Projekt. „Ich habe Evo Morales schon mehrere Male persönlich getroffen, um ihn von der Route durchs Gebirge zu überzeugen“.

Einen ersten Millionendeal hat Molinari in Bolivien bereits an Land gezogen. Seine Molinari Rail AG plant zusammen mit einer spanischen Baufirma die Stadtbahn von Cochabamba. Auftragsvolumen: 450 Millionen Franken. Die Stadtbahn von Cochabamba ist zwar nicht Teil des Bioceánico-Projekts, könnte für die Schweizer Bahnindustrie aber ein Türöffner sein. Molinari: „Wir sind sicher in einer sehr guten Ausgangslage“.

Fragezeichen gibt es derzeit noch betreffend Finanzierung der Projekte. Mit dem MoU, das Leuthard und Morales unterzeichnen werden, hofft Molinari aber auf Besserung: „Die Absichtserklärung hilft uns auch in den Verhandlungen mit Banken und Versicherungen“. (red/Swissrail)

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