Ermewa geht in die Sicherheitsoffensive

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Sicherheit auf der Schiene bedeutet mehr als technische Vorschriften und Verfahren. Ebenso entscheidend sind die Human Factors. Wagenhalter Ermewa SA geht deshalb in die Offensive: Seine 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in den kommenden Monaten ein von der European Railway Agency (ERA) entwickeltes Schulungsprogramm durchlaufen, das zum Ziel hat, eine nachhaltige Sicherheitskultur zu verankern.

Als erstes Unternehmen des Schienengüterverkehrs nimmt Ermewa dieses neue Angebot der ERA nicht nur auf, sondern wird als Pilotpartner aktiv an der Weitergestaltung des Programms mitwirken. Der Startschuss fällt am 30. September in der Ermewa-Zentrale in Levallois, Frankreich. Am Schulungstisch: die 13 Mitglieder des Management Circle der Ermewa.

„Mit den Trainings der kommenden Monate rücken wir beim Thema Sicherheit auch die Human Factors in den Fokus“,

sagt Peter Reinshagen, CEO des international tätigen Wagenhalters Ermewa SA. Das Unternehmen folgt damit konsequent seiner Philosophie „Safety first“. „Gutes Sicherheitsmanagement erschöpft sich nicht in technischen Fragen“, unterstreicht Reinshagen. „Es geht um eine Kultur, die im Unternehmen gelebt werden muss.“ Genau hier setzt das Trainingsprogramm ERA an. „Wir wollen mit unserem Angebot das Bewusstsein dafür schärfen, dass im Schienengüterverkehr beinahe jede Entscheidung und jede Handlung einen Impact auf das Thema Sicherheit hat“, erläutert Josef Doppelbauer, Executive Director der ERA, das Ziel des Programms. Die Schulungen richten sich deshalb bewusst an Mitarbeiter aller Ebenen im Unternehmen, vom Management über Techniker hin zu Customer-Service-Mitarbeitern.

Ermewa hatte bereits 2017 mit seiner Konferenz zum Thema „Human Factors in Safety“ in Paris begonnen, den Sicherheitsbegriff auf der Schiene neu zu denken. Als Vorbild dienen Branchen wie die Luftfahrt oder auch die Marine. Sie gewichten Human Factors und permanente Risikoanalyse seit Langem ähnlich hoch wie gut durchdachte Regelwerke und Ablaufpläne. „Höchstmögliche Sicherheit setzt voraus, dass Erfahrung, Wissen, Aufmerksamkeit und Verantwortungsbereitschaft jedes Teammitglieds in das Sicherheitskonzept einfließen. Hier müssen wir als Sektor aufschließen“, lautet Reinshagens Schlussfolgerung aus dem Benchmarking.

Um das Sicherheitskulturtraining im ganzen Unternehmen auszurollen, setzen ERA und Ermewa auf ein „Train the Trainer“-Konzept. Nach der Auftaktschulung am 30. September für den Management Circle werden ERA-Trainer im Tandem mit vier Ermewa-Kollegen eine nächste Runde von Schulungsterminen gemeinsam durchführen. Nach Abschluss dieser „Train the Trainer“-Phase wird bis Ende 2020 das gesamte mittlere Management, rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von den zu Safety Leaders qualifizierten Ermewa-Trainern geschult. Die Schulungsgruppen werden bewusst international zusammengesetzt, um auch kulturelle Differenzen miteinzubeziehen. Bis Ende nächsten Jahres sollen sämtliche Ermewa-Mitarbeiter an den verschiedensten Standorten in Europa das Training durchlaufen haben.

Im Vorfeld der jetzt anlaufenden ERA-Schulungen hatte das gesamte Management der Ermewa bereits das Sicherheitskulturtraining einer renommierten französischen Fluglinie durchlaufen. Darüber hinaus wurden neun Videos mit einem Piloten und Trainingsleitern produziert, die die Bedeutung von Human Factors für eine hohen Sicherheitsstandard beleuchten. Die Kurzfilme dienen zur unternehmensinternen Vorbereitung auf das ERA-Trainingsprogramm.

„Die nachhaltige Implementierung einer Sicherheitskultur ist ein Prozess, der über Jahre läuft. Die Ermewa hat sich auf den Weg gemacht“, sagt Peter Reinshagen. Ermewa verfolgt damit einen Ansatz, den die ERA in den kommenden Jahren als zentrales Element ihrer Sicherheitspolitik in den Schienengüterverkehr hineintragen will: eine positive Sicherheitskultur und solide Sicherheitsführung. „Sicherheit ist eine lebendige, kollektive Verpflichtung – das Beispiel von Ermewa inspiriert hoffentlich viele Eisenbahnverkehrsunternehmen“ fasst Josef Doppelbauer zusammen. (red/Ermewa)

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