ICE 4: SCHICKER ZUG, STEIFE SITZE

in Personenverkehr von
DB-Chef Rüdiger Lutz und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer luden zu einer Sonderfahrt im 25. neuen ICE 4-Zug ein. Gesamteindruck: Ein eleganter Zug mit Komfort und guten Nutzqualitäten, aber wenig bequemen Sitzen.

“Wir brauchen mehr Züge, damit wir seltener überfüllte Züge auf die Strecke bringen”, erklärte auf der Fahrt Bahnchef Lutz. “Aktuell und noch bis 2023 kommen sukzessive neue Fernverkehrszüge in Betrieb. Dazu zählt der ICE 4 wie auch unser Doppelstock-IC. Gleichzeitig unterziehen wir den IC 1 einem umfassenden Re-Design und modernisieren 830 Wagen im IC 1.” Das Motto: “Die Bahn fit machen für die Zukunft.”
Seit dem letzten Winterfahrplan verkehren erste ICE 4-Züge auf den Strecken Hamburg–München und Hamburg–Stuttgart. Ab Dezember 2018 sollen sie auch zwischen Berlin–Erfurt–München und Köln–Frankfurt/Main fahren. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Die ICE 4-Flotte wird bis 2023 auf insgesamt 119 Züge wachsen. Der Anteil des ICE 4 an der im gesamten ICE-Netz angebotenen Sitzplatzkapazität beträgt dann mehr als 40 Prozent, heißt es bei der Deutschen Bahn: “Die neue Zuggeneration wird damit das Rückgrat des Fernverkehrs bilden.”
Minister Scheuer unterstützt die Zugoffensive. “Natürlich geht es darum, das System Schiene, also Infrastruktur pur, so zu ertüchtigen, dass wir die Kapazitäten abbilden können, die Gott sei Dank in den letzten Jahren zusätzlich auf das System Schiene gekommen sind”, erklärte der Verkehrsminister bei der Sonderfahrt. Dazu sollen die bisherigen Investitionen von 5,3 Milliarden Euro um weitere 700 Millionen aufgestockt werden. Derzeit reisen 830 Personen mit einem ICE 4, davon auf 205 Plätzen der 1. Klasse. Künftig können über 900 Menschen in einem ICE 4 unterwegs sein. Dafür sorgen zusätzliche Wagen, mit denen bereits georderte Züge verlängert werden. Zudem kommen bis 2025 noch mal 18 Züge zur bisherigen Bestellung hinzu. Die Flotte besteht dann aus sieben-, zwölf- und dreizehnteiligen Zügen.
Die DB wird ihr Angebot bis 2030 um 25 Prozent erweitern. Künftig wird es 150 ICE-Fahrten mehr pro Tag geben. Rund 50 Millionen Kunden will die DB im Laufe der Jahre bis 2030 dazu gewinnen. Die neuen großen Gepäckregale in Sitzplatznähe gefallen, ebenso die Stellplätze für acht Fahrräder, die wechselnde Beleuchtung und die Familien- und Kinderbereiche.
Leider sind die Sitze zu steif. Seit Monaten wird die Deutsche Bahn auf ihrer Kunden-Kommunikationsplattform im Internet mit Kritik an den Sitzen überhäuft: “unzumutbar”, “Zumutung”, “Körperverletzung” sind einige der wenig schmeichelhaften Attribute. Moniert wird, dass die Sitzlehnen kerzengerade nach oben gehen, im Nackenbereich einen deutlichen Knick haben und durch ein aufgesetztes Kopfpolster den Kopf nach vorne drücken, anstatt eine nach hinten gewinkelte Ruheposition zu gestatten. Die bewegliche Umstellung des gesamten Sitzes in eine mehr liegende Ruhelage wurde abgeschafft, auch in der 1. Klasse – angeblich störte diese bei ICE 1-Zügen als besonders bequem empfundene Möglichkeit teilweise hinten sitzende Mitreisende.
Gegenüber bahn manager bestätigte eine Bahnsprecherin, die Klagen würden ernst genommen: “Sowohl die 1.-Klasse- als auch die 2. Klasse-Sitze werden noch weiterentwickelt werden.” bahn manager bot der DB an, mit Redaktionsmitarbeitern und interessierten Leserinnen und Lesern als “Testsitzer” neu erarbeitete Sitzvarianten zu bewerten, um so zum vollen Erfolg des neuen Schienen-Stars der Deutschen Bahn beizutragen.
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