ioki HAMBURG UND VHH: POSITIVE BILANZ FÜR 1 JAHR SHUTTLE-SERVICE

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Die Deutsche Bahn-Tochter ioki machte durch den ersten Regelverkehr mit einem autonom fahrenden Kleinbus Furore, doch erheblich mehr Reisende fuhren im ersten Jahr mit dem individuellen E-Zubringerdienst im Raum Hamburg.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Im niederbayerischen Kurort Bad Birnbach betreibt ioki die erste autonome Kleinbuslinie auf öffentlichen Straßen. Täglich werden im Regelbetrieb etwa 61 Personen befördert, das sind im Jahr 22.265 Personen. Auch auf einem Berliner Privatgelände wird Autonomes Fahren getestet. “Als erstes Unternehmen mit einer Zulassung für einen autonomen Verkehr im öffentlichen Raum setzen wir alles daran, auch zukünftig mit großen Schritten voranzugehen”, heißt es dazu bei der DB-Tochter. “Derzeit gibt es noch keine standardisierten Verfahren zur Zulassung autonomer Verkehrsangebote, deshalb arbeiten wir gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und Politik an der Weiterentwicklung dieser Systeme sowie der regulatorischen Grundlagen.”

In Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein GmbH (VHH) setzt ioki Hamburg hingegen 20 weißlackierte teilelektrische Fahrzeuge entsprechend den Londoner “Black Cab“-Taxis des Londoner Herstellers London Electric Vehicle Company (LEVC) ein, der sich seit 2013 in chinesischer Hand befindet. Verbaut wird teilweise auch Volvo-Technik. Die Hybrid-Pkws legten im ersten Jahr des Regelbetriebs “900.000 Kilometer emissionsfrei zurück und haben somit 170 Tonnen CO2 eingespart”, freut sich VHH-Geschäftsführer Toralf Müller. Befördert wurden bei über 160.000 Fahrten mehr als 215.000 Fahrgäste. Einsatzbereich sind die Stadtteile Lurup und Osdorf.

Das ioki-Hamburg Shuttle ist ein vollständig in den HVV integriertes öffentliches Verkehrsmittel, das eine neue Form ausprobiert – ohne festen Fahrplan oder Linien. Die Kosten orientieren sich an denen des Nahverkehrs und nicht an den Taxi-Tarifen. Die VHH bringt das Angebot zusammen mit ioki auf die Straße. Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden mit Hilfe eines Algorithmus automatisch zu Fahrgemeinschaften gebündelt und gemeinsam befördert. Im Bediengebiet wurden in Abständen von nicht mehr als 200 Metern zusätzliche Haltepunkte eingerichtet. So wird die Fläche optimal abgedeckt und das bestehende Bus- und Bahnangebot sinnvoll ergänzt. Über 34.000 Luruper und Osdorfer haben sich die ioki Hamburg App bereits heruntergeladen und sind somit potentielle Stammkunden des Dienstes.

„ioki Hamburg hat unsere Erwartungen übertroffen. Was uns besonders freut: Unser Plan, den Nahverkehr zu stärken, geht auf”, erklärt Michael Barillère-Scholz, Geschäftsführer von ioki. “Etwa die Hälfte der Fahrgäste lässt sich mit ioki Hamburg zu größeren ÖPNV-Haltestellen bringen. Wir ermöglichen den Menschen vor Ort mehr Mobilität bei weniger Verkehr und haben somit eine echte Chance, die Mobilitätsgewohnheiten in Zukunft zu verändern.“ Mittlerweile können 93 Prozent aller Fahrtanfragen bereits mit einem passenden Angebot bedient werden. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Wartezeit deutlich gesunken und liegt konstant unter fünf Minuten, was schon jetzt dem sogenannten „Hamburg-Takt“ entspricht. Dieser soll es in Zukunft allen Hamburgerinnen und Hamburgern ermöglichen, ihr Ziel schnell und zuverlässig zu erreichen.

Dazu Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann: „Wir wollen die Straßen entlasten und die Luft reinhalten. Das geht nur, wenn wir den Hamburgerinnen und Hamburgern Angebote machen, die es ihnen erleichtern, das eigene Auto stehen zu lassen. Deshalb erweitern wir mit aller Kraft den Bus- und Bahnverkehr und setzen zusätzlich auf neue Mobilitätsformen. Geteilte und vernetzte Mobilität ist ein wichtiger Baustein für die Mobilität des 21. Jahrhunderts.“

Damit ein Angebot wie jetzt im Raum Hamburg zum Erfolg wird, arbeiten bei ioki in Frankfurt am Main über 70 Verkehrsexperten, Softwareentwickler und Produktdesigner. “Mit Hilfe von Big-Data-Analysetools identifizieren und analysieren wir sinnvolle Einsatzgebiete bereits vor dem Start eines On-Demand-Services”, heißt es bei ioki. Nach der Identifizierung potentieller Gebiete erfolgen Simulierung von Verkehrsnachfrage, die Abschätzung der Wirtschaftlichkeit und Planung sowie Disposition von Betrieb und Fahrzeugen. Das Start Up begleitet behördliche Genehmigungsprozesse und hilft bei der Umsetzung der Konzepte.

Ab Herbst 2019 wird ioki Hamburg seinen Betrieb auch im Stadtteil Billbrook aufnehmen. Billbrook besteht zum Großteil aus einem Gewerbegebiet, heißt es dazu beim Unternehmen: “Besonders Berufspendler können deshalb mit dem Angebot von ioki Hamburg die erste und letzte Meile zum bestehenden ÖPNV überbrücken, die vorhandenen Buslinien werden ergänzt. Anfang August startet dort der Testbetrieb mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausgewählter, in Billbrook ansässiger Unternehmen. In den kommenden Monaten soll zudem die Integration in den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ausgebaut werden. So ist im nächsten Schritt geplant, den Kunden beim Aussteigen die nächsten ÖPNV-Verbindungen in der App anzuzeigen.” Vielleicht gelingt es dann ja auch, mehr Personen als bisher für eine einzelne Fahrt zu vermitteln. In Lurup und Osdorf beträgt derzeit die sogenannte Pooling-Quote, ein Index für die Anzahl von Passagieren pro Fahrkilometern, 1,7. Das ist noch nicht berauschend, aber immerhin mehr als beim durchschnittlichen Einsatz eines Privat-Pkws – dort liegt die Quote bei 1,47.

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