KEOLIS/EVG: ENDE DES STREIKS SCHEINT IN REICHWEITE

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Aufatmen in Nordrhein-Westfalen: Die Gewerkschaft EVG und der Regionalbahnbetreiber Keolis/eurobahn scheinen eine gemeinsame Tarifregelung gefunden zu haben, die Streiks sind vorerst ausgesetzt.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

In einer Presseerklärung meldete die Gewerkschaft, das am Donnerstagabend, 9.1.2020, erzielte Verhandlungsergebnis sei für den Geschäftsführenden Vorstand der EVG und die zuständige Tarifkommission akzeptabel. In den schwierigen Verhandlungen konnten neben einer Steigerung der Tabellenentgelte, mehr vom EVG-Wahlmodell auch der Abschluss eines Zeitguthabentarifvertrages und die Erhöhung der arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge erreicht werden.

„Wir werden dieses Ergebnis nun unseren Kolleginnen und Kollegen bei Keolis/eurobahn vorlegen und erneut zur Urabstimmung aufrufen. Findet das Verhandlungsergebnis die nötige Mehrheit, ist der Tarifkonflikt beendet, und wir haben einen Tarifvertrag, der den Interessen unserer Mitglieder vor Ort Rechnung trägt. Das ist immer unser Ziel gewesen“, erklärte der EVG-Vorsitzende Torsten Westphal.

In den Tagen zuvor hatte sich der öffentlich ausgetragene Streit nochmals verschärft. „Das Unternehmen kommt der Gewerkschaft in den drei Hauptforderungen deutlich entgegen“, erklärte Keolis. „Nach intensiven Berücksichtigungen des wirtschaftlichen sowie sozialen Umfeldes bietet das Unternehmen der EVG an, dass stark geforderte Wahlmodell II mit bis zu 42 Tagen Jahresurlaub einzuführen. Zudem ist das Unternehmen gewillt, die Gehälter einheitlich und linear zu steigern. Auch die Einführung eines Zeitguthabenkontos hat das Unternehmen angeboten.“

Ganz anders klang das bei der EVG: “Es sind beispielsweise sieben Tage vergangen, bis wir eine Antwort auf unser Eckpunktepapier bekommen haben, mit dem wir die Verhandlungen noch vor den Weihnachtsfeiertagen wieder in Schwung bringen wollten. Das letzte Angebot war materiell sogar schlechter als die bisherigen. Insofern wird der Streik fortgesetzt”, erklärte der Vorsitzende der EVG, Torsten Westphal. “Strittig ist im Wesentlichen die Frage der gerechten Bezahlung, die ist unseren Kolleginnen und Kollegen ganz wichtig. Niemand möchte, dass in seinem Unternehmen eine Lohnerhöhung zu Ungerechtigkeiten führt.”

Bei der eurobahn hieß es: „Der Schwerpunkt des anhaltenden Streiks ist in der eurobahn- Werkstatt in Hamm-Heessen. Obwohl zuletzt höchstens 5 Prozent der Gesamtbelegschaft streiken, ist die Werkstatt mit der Wartung und Reparatur der Züge in Verzug, und es kommt zu Zugausfällen. Neben Kapazitätsabweichungen – also der Reduzierung des Sitzplatzangebots – ist das Unternehmen gezwungen, einige Linien bzw. Linienabschnitte durch Busse zu ersetzen. Die Keolis-Geschäftsführung kämpft, trotz aller Zugeständnisse, für die gesamte Branche. Die Akzeptanz zu hoher Forderungen der EVG kann im Zusammenhang mit dem branchenweiten Mangel an Triebfahrzeugführern und weiteren Fachkräften zur nachhaltigen Destabilisierung der Branche führen. Der Tarifabschluss zwischen EVG und Keolis wird wegweisend für kommende Tarifverhandlungen der weiteren Branchenpartner sein.“

In der Zwischenzeit erklärte das niedersächsische EVU enno dem bahn manager seine Werbestrategie: „Die von Ihnen angesprochene Anzeige ist eines von mehreren Motiven unserer neuen, ironisch gemeinten enno Webekampagne und bezieht sich ausschließlich auf die Vorteile von enno: Wir bleiben eben lieber langweilig und gut, als Dinge zu tun, die uns in die Öffentlichkeit bringen und bekannter machen würden. Wir beziehen in der Anzeige keinerlei Stellung zu anderen Unternehmen oder geben einen entsprechenden Kommentar ab.“

Auch an der Personalfront scheint es bei enno gut zu laufen: „Unser Bestreben ist es, rechtzeitig, bevor ein Tarifvertrag ausläuft, in die Verhandlung zu gehen und zu versuchen, zum Wohle aller Beteiligten gemeinsam zu entscheiden. In den letzten Jahren ist uns dies auch gelungen. Auch bei uns gibt es unterschiedliche Wahlmodelle. Wir erhalten ausreichend Bewerbungen und können alle offenen Stellen und auch Ausbildungskurse besetzen. Die Personalgewinnung erfolgt durch gezielte Kampagnen.“

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