Rumänien: Ausgemusterte IC2 ziehen Astra Trans Carpatic-Zug

in Bahnmarkt Europa von

Drei der 15 ausgemusterten IC2-Dieseltriebzüge der DSB wurden Mitte Oktober nach Arad in das Werk der Waggonfabrik Astra Vagoane Călători gebracht, das sie jetzt in neuen Betriebsfarben präsentierte. Sie sollen einen Luxuszug des werkseigenen EVU Astra Trans Carpatic ziehen, rumänische Verkehrsexperten protestieren beim Verkehrsministerium gegen die Zulassung der Gebrauchtfahrzeuge.

Von Hermann Schmidtendorf

Die Dänischen Staatsbahnen DSB hatten die als betriebsunsicher bewerteten IC2-Einheiten im Sommer 2017 an einen damals nicht genannten Käufer veräußert (wir berichteten) mit der Maßgabe, der Käufer werde die komplette Partie nach erfolgreicher Absolvierung der Zulassung im Zielland übernehmen. Überführt wurden Einheiten mit den DSB-Betriebsnummern 5714, 5718 und 5721. Das Transcarpatic-EVU fährt seit Januar 2017 zwischen Arad und Bukarest. Der Präsident der Astra-Gruppe Valer Blidar erklärte, demnächst auch zwischen Timișoara und Wien sowie Baia Mare Regelzugverkehr aufnehmen zu wollen.

Eingesetzt werden derzeit 12 Schlafwagen mit Duschen in den Abteilen, Liegewagen und Restaurantwagen aus eigener Produktion. Ein schneller, komfortabler und moderner Intercity-Transport mit WLAN, elektronischen Passagier-Informationssystemen und Zugang für mobilitätseingeschränkte Personen werde die Attraktivität des Zugreisens in Rumänien erhöhen, ist sich Blidar sicher.

Vom „Katastrophen-IC 2″spricht hingegen der rumänische Verkehrsaktivist Mihai Alexandru Craciun. Auf seiner Webseite zählt er Anschaffungssünden der Vergangenheit auf, die Rumänien zum „Sammellager für Second Hand-Material“ machten – vorzugsweise von technischen Fehlkonstruktionen und nicht verkehrssicheren Bussen, Straßenbahnen und Zügen.

In dieselbe Richtung geht laut rumänischem Online-Portal Digi24.ro der Appell der rumänischen Infrastruktur-Vereinigung Asociația Construim România (ASCORO), die mit Craciun zusammenarbeitet. Der Verband appelliert an das rumänische Verkehrsministerium, die „offensichtlich unsicheren“ IC 2 nicht zuzulassen. Diese zeigten in Dänemark „von Anfang an viele Großrisiken im Fahrgastbetrieb: Brandgefahr, Achsbruchgefahr, Entgleisungsgefahr“. Es sei unwahrscheinlich, dass Astra Transcarpatic es technisch und finanziell schaffen könne, „in einigen Monaten“ die Konstruktionsfehler der Züge zu beheben, nachdem dies den DSB und dem Hersteller Ansaldo Breda „in 17 Jahren“ nicht gelungen sei.

Astra Vagoane Călători ist seit 1990 ein privat geführter Hersteller von Personen- und Güterwagen, die sich bei Kunden guter Reputation erfreuen. Der Gedanke zur Gründung eines eigenen EVUs kam auf, als ein Kunde sich vom Kauf mehrerer bereits produzierter Reisezugwagen zurückzog.

Bild: einer der ausgemusterten IC2 der DSB in neuen rumänischen Astra-Farben

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