SCHLAMMLAWINE: BAHNVERKEHR FRANKREICH UNTERBROCHEN

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Eine Schlammlawine hat zur Unterbrechung des gesamten Bahnverkehrs zwischen Frankreich und Italien über Modane bis zum 15. August geführt, erneut zeigt sich nach dem Brückeneinbruch von Rastatt  2017 die Notwendigkeit internationaler Krisenplanung.

Von Hermann Schmidtendorf, Redaktion bahn manager

Ursache für die Blockierung der Bahnstrecke waren heftige Stürme am 2. Juli 2019 in der Region Rhône-Alpes, vermeldete das Management des Nordsee-Mittelmeer-Korridors (TEN North Sea – Mediteranean).  Dabei traf eine 1,80 Meter hohe Schlammwelle auf die Bahnstrecke zwischen Saint Michel-Valloire und Modane in Frankreich. Das betroffene Gleis erfordert Säuberungsarbeiten, Entfernung von Aushubmaterial, Abwasserentsorgung und andere Arbeiten, bevor die Eisenbahnlinie wieder geöffnet werden kann. Dies werde voraussichtlich bis zum 15. August dauern, informiert die Korridorleitung: „Die Teams von SNCF Réseau sind voll mobilisiert, um die Strecke zu bewerten und den Umfang der auszuführenden Arbeiten genau zu definieren, die die normale Wiederaufnahme des Verkehrs bestimmen.“ Aktuelle Zustandsmeldungen werden auf der Webseite des Korridormanagements – https://www.rfc-northsea-med.eu/ – veröffentlicht.

Die kommenden Wochen werden eine Prüfung des vom europäischen Schienengüterverkehrssektor als Reaktion auf das Rastatt-Debakel ausgearbeiteten Notfallmanagementplans sein, betont das Online-Portal railfreight.com – im Sommer 2017 war der internationale Schienengüterverkehr für sieben Wochen lahmgelegt. Damals wurden für jeden Verkehrskorridor Krisenpläne in einem Handbuch zusammengefasst. Dieses beinhaltet Standards, die im Falle einer internationalen Störung die Fortsetzung des Güterverkehrs auf möglichst hohem Niveau ermöglichen sollen. Letzteres ist definiert als „Störungen mit prognostizierten Auswirkungen auf den betroffenen Abschnitt von mehr als drei Kalendertagen“. Dies gilt für die jetzt eingetretene Störung des Schienenverkehrs zwischen Frankreich und Italien.

Den Handbuch-Festlegungen folgend werden derzeit “von der Stange” sieben alternative Umgehungsstrecken für den betroffenen Bahnverkehr in Gang gesetzt. Die erste Route führt über Marseille in Südfrankreich nach Italien bei Vintimilles. Diese Strecke hat jedoch aufgrund des dichten Personenzugverkehrs eine begrenzte Kapazität. Die anderen drei Routen verlaufen über die Schweiz: eine über Dijon und Vallorbe, eine weitere über Basel und eine dritte über Genf. Während die Strecke über Vallorbe laut SNCF ebenfalls überlastet ist, bieten die Strecken über Basel und Genf mehr Kapazität, allerdings mit gewissen Einschränkungen.  Deshalb prüfen, so die SNCF, derzeit die Eisenbahnunternehmen Sicherheitsimplikationen und die Verfügbarkeit von Lokomotiven und Triebfahrzeugführern mit Streckenkenntnis.

Obwohl diesmal zumindest mehrere alternative Streckenführungen von vorn herein ausgewiesen und verfügbar sind, führte das Naturereignis zu zahlreichen Zugstreichungen. So fährt normalerweise das italienische Eisenbahnunternehmen Mercitalia, eine Tochter der Staatsbahn FS, 40 Züge pro Woche über die blockierte Strecke, erklärte ein Sprecher. Doch nur fünf von ihnen könnten umgeleitet werden, dies erfolge über die Schweiz. DB Cargo betreibt auf der französisch-italienischen Verbindung über Modane 10 Züge pro Woche, die vorerst alle gestrichen wurden. Auch hier dauern die Prüfungen der Alternativstrecken an. Währenddessen begann der Betreiber Hupac, seinen Busto-Barcelona-Busto-Blocktrain über Antwerpen in beide Richtungen umzuleiten. „Da die Leitung länger als diese Woche geschlossen bleibt, behalten wir das Gateway über Antwerpen als Backup-Lösung bei”, erklärte ein Unternehmenssprecher. “Dies soll die Kontinuität des Dienstes gewährleisten, aber vermutlich mit einer längeren Laufzeit und für begrenzte Mengen.“ Trotzdem musste Hupac zwei Abfahrten pro Woche in beide Richtungen absagen: „Die Auswirkungen dieser Störung sind sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch in Bezug auf Service und Imageschaden erheblich. Wir werden versuchen, die Züge über Ventimiglia umzuleiten, jedoch unter restriktiven wirtschaftlichen Bedingungen. Der Gateway-Service über Antwerpen bleibt bestehen.“

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