Schweiz: Bahngesellschaften sind beliebte Emittenten

in Bahnmarkt Europa von

Der Inlandmarkt wächst, das Auslandsegment schrumpft. Dieser Trend am Schweizer Kapitalmarkt, der schon seit einigen Jahren zu beobachten ist, hat sich in der ersten Jahreshälfte weiter fortgesetzt. Die Schere öffnet sich somit weiter.

Das gesamte Volumen von ausstehenden Anleihen ausländischer Emittenten beträgt nur noch gut 150 Milliarden Franken – so niedrig war dieser Wert letztmals vor mehr als zwanzig Jahren. Mit den rückläufigen Beträgen nimmt auch die Zahl der Schuldner aus dem Ausland ab. In diesem Jahr werden 27 Emittenten ihre letzten Frankenanleihen zurückzahlen. So unerfreulich die Volumenentwicklung am Auslandmarkt ist, umso mehr Anlass zur Freude gibt das Inlandsegment, das seit 2009 stetig wächst und mehr als 355 Milliarden Franken erreicht hat. Besonders schön zu sehen ist, dass immer wieder neue Akteure am Schweizer Kapitalmarkt auftreten. Darunter waren auch in diesem Jahr wieder Unternehmen aus dem Verkehrssektor.

Hoher Finanzierungsbedarf

Bisher haben Emittenten aus dieser Branche keine grosse Rolle am Schweizer Kapitalmarkt gespielt. Das Volumen ausstehender Anleihen ist mit 4,4 Milliarden Franken im Verhältnis zum Gesamtmarkt gering. Trotzdem ist das Interesse der Investoren an Platzierungen dieser Emittenten gross, sagt Holger Frisch, Senior-Kredit-Analytiker bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Im Januar debütierte die Schweizerische Südostbahn am Franken-Bondmarkt und nahm 100 Millionen Franken auf. Bereits vor zwei Jahren hatte die Rhätische Bahn den Markt erfolgreich um 200 Mio. Fr. angezapft. Insgesamt sind sechs Firmen aus dem Verkehrssektor, davon fünf Bahngesellschaften, am hiesigen Anleihemarkt präsent. Aufgrund des hohen Finanzierungsbedarfs, vor allem für das Rollmaterial, seien weitere Platzierungen wahrscheinlich, sagt Kapitalmarkt-Experte Frisch.

Überschaubares Risiko

Seit 2001 können Schweizer Eisenbahngesellschaften ihre Betriebsmittel nicht mehr über zinslose Darlehen der öffentlichen Hand finanzieren, sondern müssen diese selbst aufbringen oder sie sich am Finanzmarkt beschaffen. Seit 2011 hat die Zahl der Privatplatzierungen von Bahngesellschaften zugenommen, da diese seitdem Solidarbürgschaften des Bundes in Anspruch nehmen dürfen. In den vergangenen Jahren sind die Unternehmen bei der Emission öffentlicher Anleihen aktiver geworden. Bei Anlegern sind diese Obligationen aufgrund der bekannten Namen und Geschäftsmodelle beliebt. Bestehe zusätzlich eine Bürgschaft des Bundes, sei zudem das Risiko überschaubar, ergänzt Frisch.

Die Rhätische Bahn und die Schweizerische Südostbahn werden von den Analytikern der ZKB mit einem Rating von «AA–» eingestuft und rangieren damit im mittleren Bonitäts-Segment. Mit mehr als 60 Prozent zählt der grösste Teil der am Schweizer Markt ausstehenden Anleihen zum Spitzen-Segment mit der Rating-Note «AAA». Daran hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel geändert. Stetig zugenommen hat allerdings der Bereich der schwächeren Ratings mit «BBB» und schlechter. Dieser ist in diesem Jahr erstmals zweistellig bei 10 Prozent. Auch unter den neuen Schuldnern, die in diesem Jahr zum ersten Mal ein Rating der ZKB erhalten haben, wird rund die Hälfte mit «BBB+» und schlechter benotet.

Diese Entwicklung wird von mehreren Faktoren begünstigt. Zum einen hat die Kapitalmarkt-Tätigkeit generell zugenommen. Mit einem Anstieg des Fremdkapitals sinkt naturgemäss die Bonität eines Emittenten. Zudem sind auch neue Gesichter mit schwächeren Ratings am Franken-Kapitalmarkt aufgetreten, die erst im Umfeld niedriger Zinsen erfolgreich Kapital am Bondmarkt aufnehmen konnten. Aufgrund der Renditeaufschläge, die diese Zinstitel bieten, wurden die Platzierungen von den Anlegern sehr gut aufgenommen. Die Analytiker der ZKB haben in den vergangenen zwölf Monaten bei achtzehn Emittenten das Rating herabgestuft – bei Aryzta sogar um drei Notches. Demgegenüber stehen nur zwei Heraufstufungen.

Topschuldner sind dominant

Das sehr gute Bonitätsprofil des Schweizer Kapitalmarktes ist darauf zurückzuführen, dass drei Schuldner mit Spitzen-Rating den Markt dominieren. Die Eidgenossenschaft und die beiden Pfandbriefinstitute beanspruchen mehr als 53 Prozent des Inlandmarktes. Die Pfandbriefbank und die Pfandbriefzentrale haben im Jahresverlauf 4,6 Prozent an ausstehenden Volumen zugelegt. Auch in dieser Woche platzierte die Pfandbriefzentrale drei neue Pfandbriefe mit einem Volumen von insgesamt mehr als 420 Millionen Franken Schon im kommenden Jahr könnte die Pfandbriefbank die Eidgenossenschaft von Platz eins der Inlandschuldner verdrängen. Denn im Mai 2019 steht die Rückzahlung Schweizer Staatsanleihen in Höhe von 6 Milliarden Franken an. (red/NZZ)

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