VDB zieht Bilanz

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Die Modernisierung des öffentlichen Vergaberechts forderte der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) auf seiner Bilanzkonferenz in Berlin. Mit 11 Milliarden Euro vermeldete die deutsche Bahnindustrie erneut einen hohen Umsatz.

Von Hermann Schmidtendorf, Büro Berlin

“Das Prinzip des Billigstanbieters taugt nicht für unsere heutigen Zeiten!” unterstrich VDB-Hauptgeschäftsführer Dr. Ben Möbius gegenüber bahn manager. Gerade jetzt seien Industrie, Politik und EVUs dabei, Vieles für die “Technologieführung und Wettbewerbsfähigkeit der Bahnindustrie in Deutschland” zu tun. Diese Bemühungen würden aber konterkariert, wenn durch eine low price-Vergabepraxis Vorteile neuer, zwangsläufig zunächst höherpreisiger, Lösungen bei Ausschreibungen chancenlos seien. Deshalb sollten bei Ausschreibungen in die Bewertung innovative Kriterien aufgenommen werden wie

  • spätere Kosteneinsparungen durch längere Lebenszyklen
  • stärkere Gewichtung mit bis zu 10 Prozentpunkten für “qualitative Kriterien wie Umwelt-freundlichkeit oder Innovationsgrad”
  • Kosteneinsparung durch Implementierung digitaler Technologien zur zustandsabhängigen Wartung.

Mit weiterhin 51.100 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie 150.000 mittelbar beteiligten Zuliefer-Mitarbeitern bleibt Deutschlands Bahnindustrie eine starke Schlüsselbranche. Etwa 70 Prozent der Umsätze fallen auf Fahrzeugproduktion und 10 Prozent auf Service wie Wartung – “ein Zukunftsmarkt”, so VDB-Präsident Volker Schenk.

Der Exportanteil fiel 2017 wegen global wachsender Tendenzen zur Marktabschottung auf 4,7 Milliarden Euro. Allerdings steigen die Exportaufträge derzeit wieder, so Schenk: “Politische Bestrebungen wie das 2017 geschlossene Freihandelsabkommen der EU mit Japan tragen erste Früchte.”

Eindeutig positiv bewertete der VDB-Präsident den Koalitionsvertrag der amtierenden Großen Koalition: “Der Kompass stimmt!” Falls die Politik ihre Ziele umsetze, könne “der große Wurf für die Schiene gelingen.” Zu den gemeinsam von Politik und Industrie verfolgten Zielen zählt Schenk: “Ein Forschungsprogramm für die Schiene, bis 2030 Ausstattung von rund 80 % des gesamten Schienennetzes mit ETCS Level 2, elektronische Stellwerke, Schaufensterprojekte für automatisiertes Fahren und für oberleitungsfreie Elektromobilität, 70-prozentige Elektrifizierung des deutschen Schienennetzes, die Stärkung des Güterverkehrs, Senkung der Trassenpreise, Deutschlandtakt und Investitionshochlauf.”

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