Visual und Audible Hacking im Zug

in Forschung & Entwicklung/Personenverkehr von

Was nützt die beste Firewall oder die ausgefeilteste IT-Sicherheitsschulung, wenn Mitarbeiter auf Geschäftsreisen via Laptop und Smartphone sensible Firmendaten für Dritte zugänglich machen?
Im Rahmen eines Experiments veranschaulicht Kaspersky nun, wie viele, nicht für die Öffentlichkeit bestimmte, Informationen Geschäftsreisende im Zug – oft unwissentlich – preisgeben. Das Resultat: 2.245 potentiell einsehbare und mitzuhörende Informationen wie Name und Unternehmen von Geschäftsleuten beziehungsweise von Kollegen und Partnern. Das entspricht durchschnittlich 13 sensiblen Business-Informationen pro Zug – in der Ersten Klasse waren es mit 23 fast doppelt so viele –, auf die der Tester Zugriff gehabt hätte. Kaspersky ermahnt Unternehmen und Organisationen, die Gefahr des Visual- beziehungsweise Audible Hackings nicht zu unterschätzen, denn gravierende Datenschutzverletzungen sowie Wirtschaftsspionage und zielgerichtete Attacken könnten die Folge sein.

Während des Kaspersky-Experiments konnte der beauftragte Tester 281 physische Dokumente und 1.193 Bildschirme (Laptops, Smartphones oder Tablets) mit Business-Bezug anonym per Strichlistenzählung einsehen. Hinzu kommen 106 mithörbare Geschäftstelefonate. Dabei wären potentiell 2.245 Geschäftsgeheimnisse wie Name und Unternehmen der Geschäftsreisenden selber, sowie von Kollegen, Kunden und Partner für die anderen Zuggäste einseh-beziehungsweise mithörbar gewesen – und das an nur fünf Testtagen und exemplarischen Routen mit insgesamt 170 Waggons. Das heißt: 13 sensible Geschäftsinformationen pro Wagen waren während des Experiments öffentlich zugänglich. Interessant: die meisten – mit durchschnittlich 23 – werden von Geschäftsreisenden der Ersten Klasse preisgegeben.

Die meisten geschäftlichen Interna verraten Mitarbeiter durch einen zu sorglosen Umgang mit Laptops, Smartphones und Tablets. Denn moderne Displays ermöglichen Dritten einen eigentlich unerwünschten Einblick in die virtuellen Büros und Meeting-Räume von Unternehmen. Die meisten sensiblen Geschäftsinformationen wurden im Kaspersky-Experiment über E-Mails sichtbar.

  • E-Mail: 699 (58 Prozent)
  • Office-Dokument: 297 (25 Prozent)
  • Web-Browser: 128 (11 Prozent)
  • Messenger-Dienst: 22 (2 Prozent)
  • Sonstiges: 47 (4 Prozent)

„Das Kaspersky-Experiment hat meine bisherige Vermutung, dass Geschäftsreisende oft zu sorglos mit Unternehmensinformationen umgehen, definitiv bestätigt“, so Stephan Schilling, Testbeauftragter von Kaspersky. „Die Reisenden haben oft kein Bewusstsein dafür, dass Visual und Audible Hacking ein riesiges Datenschutzproblem darstellen.“

Worst-Cases aus dem Kaspersky-Experiment

  • Von einem Reisenden wurde ein Laptop verwendet, der zur 2-Faktor-Authentifizierung mit einer ID-Card gesichert war oder eine Verbindung genutzt hat, die eine solche ID-Card benötigt –. Auf der ID-Card waren allerdings Klarname, Unternehmen und eine ID-Nummer eindeutig zu erkennen. Ein Beispiel dafür, wie selbst eine Sicherheitsmaßnahme Informationen verrät, die nicht für Außenstehende bestimmt sind.
  • Ein Reisender (vermutlich Anwalt) führte ein langes Telefongespräch über einen juristischen Fall. Darin wurden Klarnamen der Verfahrensbeteiligten, das zuständige Gericht sowie Details des Falles sehr laut besprochen.
  • Ein Professor bearbeitete Klausuren/Abschlussarbeiten von Studenten. Matrikelnummern und Namen der Studenten waren sichtbar.

„Schulungen sind für die IT-Sicherheit von Organisationen heutzutage unerlässlich“, sagt, Anne Mickler, Corporate Communications Manager für die Region DACH bei Kaspersky. „Es geht darum, die eigenen Mitarbeiter für alle Gefahren zu sensibilisieren. Vor allem das immer mobilere Büro birgt in puncto Datenschutz neue Fallstricke. Dazu gehört definitiv das Risiko, von Dritten in der Öffentlichkeit gehackt zu werden. Unternehmen sollten daher auf diese bislang zu wenig beachtete Gefahrenlage und auf Schutzmöglichkeiten bzw. richtiges Verhalten hinweisen. Denn sensible Informationen müssen im öffentlichen Raum – ob im Zug, am Flughafen oder im Café – ebenso geschützt werden wie im Büro. Unser Experiment zeigt einige Schwachstellen auf, die es zu schließen gilt.“

Wie Unternehmen Visual Hacking vermeiden

  • Blickschutzfilter oder Blickschutzbildschirme sollten bei in der Öffentlichkeit genutzten Laptops Standard sein.
  • Mitarbeiter sollten nur Dinge bearbeiten, die unverfänglich sind; zum Beispiel eine nicht vertrauliche Power-Point-Präsentation. Sensible Aktionen – wie eine E-Mail über ein zum Beispiel noch nicht veröffentlichtes Produkt – gehören in eine sichere Umgebung – und nicht in den Zug.
  • Die Mitarbeiter dafür sensibilisieren, dass bei Telefonaten das komplette Zugabteil unweigerlich mithört. Die Nennung von Klarnamen (des Unternehmens, von Kunden oder sonstigen Partnern) vermeiden.
  • Geräte nie aus den Augen lassen; ist dennoch der Gang auf die Toilette nötig, sollten die Geräte entsprechend gesperrt sein (PIN, Zugangsberechtigung oder Passwort) sowie mit einer passenden mobilen Sicherheitslösung ausgestattet sein. Token, ID-Karten oder ähnliches sollten abgezogen und mitgenommen werden.
  • Das Verhalten der Mitarbeiter in puncto IT-Sicherheit und Datenschutz auf Geschäftsreisen in den Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens festlegen und Empfehlungen aussprechen.
  • Mitarbeiter regelmäßig hinsichtlich Cybergefahren und Datenschutz schulen – insbesondere was auf Geschäftsreisenden zu beachten ist. Kaspersky bietet für alle Unternehmensgrößen und Mitarbeiterprofile passende Trainings.
  • Logos haben auf Geschäftslaptops nichts zu suchen. Auch auf den Inventar-Aufklebern sollten nur Nummern oder Barcodes angebracht werden.

Der komplette Report „Geschäftsgeheimnisse im Zug – Visual und Audible Hacking als unterschätzte Gefahr für Unternehmen“ ist HIER abrufbar. (red/Kaspersky)

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