VOSSLOH LOCOMOTIVES KIEL WIRD CRRC-TOCHTER

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Schon vor über einem Jahr informierten Gewährspersonen bahn manager über chinesische Delegationen in Kiel, jetzt bestätigte die Vossloh-Lokomotivfabrik offiziell den Verkauf an den Lokbauer CRRC ZELC.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Der Vertrag zur Übernahme der Vossloh Locomotives GmbH zwischen der Vossloh AG und der CRRC Zhuzhou Locomotive Co., Ltd., Zhuzhou, China (CRRC ZELC) wurde am 26. August 2019 unterzeichnet. Vorausgegangen waren, so Vossloh, “intensive Verhandlungen”. Das Kieler Unternehmen samt seinen Töchtern soll als “eigenständige Einheit neben der CRRC ZELC Verkehrstechnik GmbH mit Sitz in Wien geführt werden”. Die Wiener Unternehmung war am 26.September 2016, wie es hieß, “als Brückenkopf für die Expansion auf den europäischen Markt mit Beratungsdienstleistungen, der Umsetzung zukünftiger Projekte in Europa, Materialeinkauf, der Abwicklung von Instandhaltungs- und Garantieleistungen sowie Marketing Support”gegründet worden.

Die CRRC ZELC ist eine Tochtergesellschaft des weltweit größten Herstellers von Schienenfahrzeugen, der China Railway Rolling Stock Corporation Ltd. (CRRC). Durch den Kauf verstärkt die CRRC ZELC strategisch die Bereiche Lokbau und Servicegeschäft in Europa. Vossloh Locomotives ist die erste Gesellschaft, die CRRC ZELC in Europa akquiriert. Die notwendige Freigabe durch die zuständigen Behörden in Europa und China wird für die nächsten Monaten erwartet.

Der Vertrag sieht vor, dass der Firmenname vorerst bestehen bleibt. Sowohl für die Standorte Kiel und Moers in Deutschland als auch die europäischen Tochterunternehmen sind “weder personelle noch strukturelle Veränderungen vorgesehen”, heißt es in einer Pressemitteilung. Denn das “vorrangige Ziel” der Akquisition sei, die Ingenieurskompetenz für die Produktion bestehender Produkte zu erhalten und Produktneuentwicklungen mit innovativen Antriebskonzepten im partnerschaftlichen Verbund zu forcieren. Somit gäbe es, so Geschäftsführer von Vossloh Locomotives Dr. Bernd Hoppe, “eine wichtige Perspektive für unsere europaweit fast 600 Mitarbeiter inklusive der Leihkräfte. Mit unserem hochmodernen Produktionsstandort in Kiel und der derzeitig sehr guten Auftragslage bieten wir im Verbund mit unserer ECM-konformen, europäischen Serviceorganisation rund um Moers und an den IMATEQ-Auslandsgesellschaften die idealen Voraussetzungen, um im Integrationsprozess Ideen und Synergien zielgerichtet und schnell voranzutreiben.”

Der Vossloh-Mutterkonzern will sich zukünftig auf sein Kerngeschäft in der Bahninfrastruktur konzentrieren und hatte deshalb schon zum 1. Januar 2016 sein Lokomotivwerk im spanischen Valencia an den schweizerischen Schienenfahrzeugbauer Stadler veräußert. Der vereinbarte Kaufpreis für das Kieler Werk belaufe sich “abhängig von der Entwicklung verschiedener Bilanzpositionen voraussichtlich auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag”. Da mit dem Verkauf der Kieler Fabrik eine zusätzliche Belastung des Jahresergebnisses aus nicht fortgeführten Aktivitäten von 30 bis 35 Millionen Euro entsteht, fiel die Aktie des Vossloh-Mutterkonzerns zunächst um drei Prozent gegenüber dem letzten Freitag. Sicher nur eine kleine Delle, läuft doch das China-Geschäft für die Vossloh-Gruppe gut und wird sicher durch das Abtreten des Kieler “Brückenkopfes” weiter beflügelt. Seit 2006 ist Vossloh mit seiner Fastening Systems China Co. Ltd. mit Sitz in Kunshan einer der führenden Anbieter von Schienenbefestigungssystemen für die Anwendung auf Hochgeschwindigkeitsstrecken in China. Bis 2025 soll das chinesische Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz von heute etwa 25.000 Kilometer auf 38.000 Kilometer Länge erweitert werden – viel Raum für Aufträge. 2018 hatte Vossloh in China drei Großbestellungen mit einem Gesamtvolumen von rund 85 Millionen Euro erhalten, 2019 wurde ein weiterer Auftrag für die Lieferung von Schienenbefestigungssystemen in Höhe von über 40 Millionen Euro gewonnen.

 

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